Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Wahre Polen« wollen die volle Wahrheit

Spuk um ein polnisch-russisches Komplott

  • Von Julian Bartosz, Wroclaw
  • Lesedauer: 2 Min.
Polens Medien haben seit Wochen ein Dauerthema: die »Smolensker Familie«. So nennt sich eine Gruppe von Polen, die durch den Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April nahe Smolensk Angehörige verloren haben.

Die Mitglieder der »Smolensker Familie« nehmen als selbsternannte »wahre Polen« und Angehörige der Zivilgesellschaft die ihnen zustehenden Bürgerrechte in Anspruch, um Regierungschef Donald Tusk, zugleich Vorsitzender der Bürgerplattform (PO), anzuklagen: Er habe im Einvernehmen mit Wladimir Putin ein Komplott zur Ermordung der »Elite des polnischen Volkes« mit Lech Kaczynski an der Spitze geschmiedet.

Neben Tausenden älterer Damen aus der »Familie Radio Maryja« des Paters Rydzyk versucht die »Smolensker Familie« der Öffentlichkeit täglich ihre Ansicht vom polnisch-russischen »Teufelswerk« aufzuzwingen. Wirkungslos ist das aufgrund der vielen Medienberichte nicht. Als »außerparlamentarische Opposition« hätte die Familie durchaus das Recht dazu, kommentierten »Nasz Dziennik« und »Rzeczpospolita«.

Im Sejm gibt es seit zwei Monaten eine satzungswidrige »Untersuchungsgruppe«, die ausschließlich aus Mitgliedern der – wie sie genannt wird – »Kaczynski-Sekte« besteht und vom ehemaligen »Säuberungsminister« Antoni Macierewicz geführt wird. Sie verlangt die Einberufung einer internationalen Kommission zur Untersuchung der »wirklichen Ursachen« des Flugzeugabsturzes bei Smolensk.

Gemeinsam mit der ehemaligen Außenministerin Anna Fotyga flog Macierewicz Ende November nach Washington, um einige republikanische Senatoren für sein Anliegen zu gewinnen. Man fand aber keinen seriösen Gesprächspartner. Zur Anhörung über dasselbe Thema im EU-Parlament Anfang Dezember erschienen neben polnischen Abgeordneten aus Kaczynskis PiS-Partei nur einzelne konservative Briten. Auch in Brüssel erfuhren Abgesandte der »Smolensker Familie«, dass die Ergebnisse der Untersuchungen polnischer und russischer Staatsanwälte sowie die offizielle Stellungnahme der staatlichen polnischen Untersuchungsgruppe zum Protokoll der Internationalen Luftfahrtkommission (MAK) in Moskau abgewartet werden müssten.

Staatspräsident Bronislaw Komorowski und seine Gattin versuchten die »Smolensker Familie« mit einer Einladung zu einem Versöhnungstreffen zu besänftigen. Der Großteil aber blieb dem fern und verlangte eine Aussprache mit Premier Tusk. Dabei kam es schließlich zum Eklat: Eine der Damen fragte den Regierungschef, warum er sich mit Putin eingelassen habe. Das sei eine unverschämte Frage, hörte die Frau, die prompt den Raum verließ. Nun wird in den Medien darüber diskutiert, wer was gesagt und wer wen beleidigt habe. Und so geht es weiter...

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln