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Ein »Yankee« in Nicaragua

Begegnung mit Jugendlichen in Sitio histórico, einem Ort im Departamento Matagalpa

ADDAC, die Partnerorganisation von INKOTA in Nicaragua, eröffnet Jugendlichen Zukunftschancen und bietet Freizeitangebote.
Folkloristischer Tanz von Jugendlichen in Nicaragua zu Ehren des »Yankees« aus Deutschland
Folkloristischer Tanz von Jugendlichen in Nicaragua zu Ehren des »Yankees« aus Deutschland

Auf Projektreisen erlebt man einiges. Doch die Geschichte mit dem »Yankee« hat eine besondere Note. Aber beginnen wir am Anfang. In einem Toyota-Kübelwagen unserer Partnerorganisation ADDAC nähern wir uns auf einem ausgefahrenen Landweg Sitio histórico. Es ist ein kleiner Ort am malerischen Berg Pancasán im Departamento Matagalpa im Norden Nicaraguas. »Dort werden wir uns mit einigen Jugendlichen aus dem Projekt treffen, die eine kleine Überraschung für dich vorbereiten wollten«, sagt Tania González, die Koordinatorin des Jugendprojekts. Aber zunächst war die Überraschung auf ihrer Seite: Statt der erwarteten 20 Jugendlichen waren etwa 50 erschienen, darunter auch welche, die bisher noch nicht in dem Projekt organisiert sind. So musste etwas improvisiert werden, doch schließlich fanden alle in dem Versammlungsraum Platz.

Dann kam der zweite Teil der Überraschung. Diesmal für mich. Statt des erwarteten Gesprächs wurde zunächst ein Kulturprogramm aufgeführt, »extra für den Gast aus Deutschland«. Zunächst wurden folkloristische Tänze gezeigt, dann gab es ein kurzes Theaterstück. Letzteres führte zielgenau an das Thema unseres geplanten Gesprächs heran. Eine Gruppe Jugendlicher hatte durch das Projekt einen Kredit bekommen. Sie wurden durch einen Techniker von ADDAC in Theorie und Praxis des Anlegens einer kleinen Finca eingeführt, und schließlich unterhielt man sich darüber, dass die Jugendlichen sich besser organisieren wollen und dass vor allem das Sport- und Kulturangebot verbessert werden müsste.

Genau darum ging es auch in unserem anschließenden Gespräch. Mit dem kulturellen Beginn unseres Treffens wollte man mir wohl klar machen, dass es sich bei derart interessierten und talentierten Jugendlichen lohnt, diese Arbeit weiter zu unterstützen, um mir danach zu vermitteln, was dazu alles noch fehlt. Denn noch gehören die jungen Leute, die mich mit ihrer Vorstellung so überrascht hatten, zu der verschwindend kleinen Gruppe derer, die sich künstlerisch betätigen können. Deswegen sollen demnächst MultiplikatorInnen ausgebildet werden, die wiederum in ihren Gemeinden Tanz-, Musik- und Theatergruppen aufbauen. Der Wunsch danach ist nicht nur bei den Jugendlichen groß, denn die wenigen Auftritte haben schon gezeigt, dass auch die Erwachsenen großes Interesse an den Veranstaltungen in ihren Dörfern haben.

»Und wir brauchen endlich Frauenfußball«, forderte eines der jungen Mädchen. Dass es auch dafür noch an einfachsten Voraussetzungen fehlt, machte ihre anschließende Erklärung deutlich, denn »mit dem einzigen vorhandenen Ball spielen immer die Jungen und die geben den nicht her«.

Andere, die über den weiteren Verlauf des Projekts schon besser informiert waren, konnten sie beruhigen und berichteten, dass demnächst Ligen für Baseball, Fußball und Volleyball gebildet werden, um die »Landkreismeister« auch der Mädchen zu ermitteln. Und dafür würden natürlich auch Bälle und sonstige sportliche Utensilien angeschafft. Ob es dieses Mädchen oder einer der anderen Jugendlichen war, die – wie mir am nächsten Tag berichtet wurde – zu Hause ihren Eltern erzählt hatte, dass sie sich mit einem »Yankee« getroffen hätten und dass sie demnächst richtig Fußball spielen könnten, werde ich wohl nicht erfahren.

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