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Es war einmal und wird auch wieder

Impro-Theater »Turbine William wie die Birne« in der Märchenhütte

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»Turbine Williams« improvisiert überall
»Turbine Williams« improvisiert überall

Es war einmal ein Montag im Winter. Er brachte eine große Überraschung: Schnee. Das hatte es ja noch nie gegeben. Er war einfach so vom Himmel gefallen. Überall lag er herum und deckte den öffentlichen Nahverkehr zu. Überall versammelten sich die Menschen und beratschlagten, wie sie zur Arbeit, zum Arzt oder an andere Orte kommen sollten. Sie mussten improvisieren.

So ging es fast den ganzen langen Tag. Und weil sie einfallsreich waren, erreichten viele der Menschen auch ihr Ziel. Auch als am Abend in der Märchenhütte auf dem Bunkerdach im Monbijoupark der Ofen wohlige Wärme ausstrahlte und der Glühwein dampfte, da kamen fast hundert Leute aus allen Himmelsrichtungen durch den Schnee gestapft. Nun, als Belohnung, sollten Schauspieler für sie improvisieren. Denn montags haben sich in der Hütte professionelle Komödianten des Impro-Theaters »Turbine William wie die Birne« zur guten Unterhaltung des Publikums verdingt.

Was geschieht, wenn ein Arbeitsvermittler kein Frosch, sondern eigentlich ein Prinz ist? Wie geht so etwas aus, wenn eine Hexe zur Partnervermittlung kommt? So in der Art sind improvisierte Märchen versprochen, für die das Publikum Stichworte geben darf. Und alles beginnt bei dem samt Pause zweistündigen Programm mit »Es war einmal ...«

Auch an diesem Abend. Doch muss der Schnee oder etwas anderes an diesem Abend den Schauspielern ebenfalls heftig zugesetzt haben. Es war der Lindwurm drin. Hockte da die gefürchtete Routine kichernd in der Hüttenecke? Egal, was die Zuschauer auch vorschlugen – ein Märchen wurde daraus nie. Die improvisierten Minidramen hätten – bis auf einen sportlichen Wettkampf im Schneetauchen und einen Weihnachtsmarkt – durchaus auch im Sommer gespielt werden können. Beispielsweise die Geschichte von Igor, dem berühmten Rocksänger aus Nürnberg-Süd, von dem noch nie jemand etwas gehört hatte.

Dabei ist das doch ansonsten für Martina Pietsch, Annegret Geist, Michael Schwager und Thomas Kornmann ein leichtes Spiel, aus ein paar Stichworten ein imposantes kleines Stück zu machen. Allesamt sind gute Schauspieler und überdies erfahren im pointierten Märchenspiel, wie es in der Märchenhütte seit Jahren geboten wird. »Turbine William wie die Birne« wurde 2004 von neun professionellen Schauspielern gegründet, mittlerweile sind es schon elf.

Spielleiter Roger Jahnke war an diesem Abend zu nachsichtig. Er trieb das Tempo nicht voran. Er brach das Spiel nicht ab, wenn es denn hätte sein müssen. Das ist üblich bei gutem Impro-Theater, damit es nicht zu gefürchteten »Hängern« kommt, gegen die niemand bei diesem schauspielerischen Genre gefeit ist.

Das Publikum indes nahm nach solch einem weißen Montag das alles nicht krumm. Lachen konnte es allemal über die Improvisationen, denen es an Witz nicht fehlte. Die Zuschauer forderten sogar Zugaben. Und so ging, wie es das Märchen verlangt, am Ende doch alles gut aus. Und wenn die märchenhaften Improvisationsideen nicht gestorben sind, dann leben sie wieder heute Abend. Darauf kann man wohl wetten. Denn ein »Es war einmal ...« ist da nicht zu akzeptieren.

Montags, 19.30 Uhr, »Turbine William wie die Birne« in der Märchenhütte, Monbijoupark, Monbijoustraße, Mitte, Karten 12 / 10 Euro, Tel.: (030) 288 86 69 99, weitere Informationen unter: www.turbinewilliam.de

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