Super, dass auch Silber reicht

Jenny Wolf über ihren Überraschungscoup

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Kampf ohne Machtbekenntnis

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JENNY WOLF hat es endlich geschafft – sogar ohne Olympiasieg! Nach Platz drei in der Umfrage 2009 wählten die Leser die 31-Jährige zur ND-Sportlerin 2010. ND-Redakteur OLIVER HÄNDLER überbrachte in einer Trainingspause Glückwünsche an die überraschte, aber glückliche Gewinnerin.
Jenny Wolf freute sich über Glückwünsche und Blumen. ND-
Jenny Wolf freute sich über Glückwünsche und Blumen. ND-

ND: Frau Wolf, im Namen der ND-Leser: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl als ND-Sportlerin des Jahres 2010!
Wolf: Vielen Dank, darüber freue ich mich wirklich sehr.

Die Favoritin Magdalena Neuner hat schon bei der Wahl in Baden-Baden gegen Maria Riesch verloren und bei uns nun gegen Sie. Hat Sie der Sieg überrascht?
Ein bisschen schon. Normalerweise braucht man ja einen Olympiasieg, möglichst zwei. Dass ich es mit meiner Silbermedaille geschafft habe, ist eine Supersache.

Auch ohne den großen Wurf in Vancouver hatten Sie ein tolles Jahr mit vielen Siegen im Weltcup. Tröstet so eine Ehrung darüber hinweg, dass das Hauptziel unerreicht blieb?
Auf jeden Fall. Die Fans und meine Familie haben mich sofort wieder aufgebaut. Da wurde mir schnell bewusst, dass man sich über jede Olympiamedaille freuen kann. Die Anerkennung entschädigt schon für die eine oder andere vergossene Träne. Die ND-Wahl ist da auch etwas Besonderes. Meine Familie macht immer mit, und meine Mutter hat vor zwei Jahren sogar ein Buch gewonnen.

Nun sind es wieder vier Jahre bis Olympia. Greifen Sie noch mal an, um endlich diesen Titel zu holen, oder kann es sein, dass Sie schon vorher »Tschüss« sagen?
Ich bin noch nicht soweit, dass ich sage: »Der Olympiasieg muss unbedingt sein!« Ich hatte schon so viele Erfolge, bin Weltrekordhalterin und habe lange Zeit dominiert. Es wird sich in ein, zwei Jahren zeigen, ob ich Olympiagold noch haben will. Momentan ist es noch nicht so.

Das Nahziel heißt also Inzell im März 2011?
Na klar. Es ist eine WM – nicht ganz zu Hause, aber doch in Deutschland. In Inzell fühle ich mich sehr wohl. Das ist nach vielen Jahren mal wieder ein Höhepunkt im eigenen Land.

Muss sich der deutsche Eisschnelllauf-Fan in der Zeit nach Daniela Anschütz-Thoms und Anni Friesinger-Postma auf weniger Medaillen einstellen?
Nicht unbedingt, es sieht eigentlich ganz gut aus. Viele waren auch intern überrascht, dass die Läufer aus der zweiten Reihe es nun schaffen, sogar auf das Podest zu laufen. Natürlich haben wir nicht mehr die Breite wie noch vor zehn Jahren. Aber man sieht, dass die konsequente Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt.

Bekommen Sie endlich eine starke Trainingspartnerin, an der Sie sich messen können?
Ach, das hatte ich jahrelang. Das war anstrengend, ständig auf die Zeiten der anderen zu schauen. Jetzt habe ich meine Ruhe.

Sie haben eine Trainingspause eingelegt. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, oder zwickt der Rücken noch immer?
Ich merke schon, dass es noch schmerzt, und ich muss nicht unbedingt unter Schmerzen trainieren. Ich habe mittlerweile so viel Routine und so viele Grundlagen, dass man auch mal zwei Wochen etwas ruhiger angehen kann. Die Form im Herbst war so gut wie nie. Ich bin auch noch nicht zu alt, so dass ich immer langsamer werde. Ich kann also schon noch ein bisschen schneller laufen als am Anfang der Saison. Da kann 2011 wieder ein gutes Jahr werden.

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