Werbung

Die Macht über die Produkte erobern!

US-amerikanische Bastel-Freaks fordern eine »Reparier-Revolution«

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Am »Self Repair Manifesto« sollte die Partei DIE LINKE sich mal ein Beispiel nehmen: Eine prägnante Analyse, radikale und doch real umsetzbare Forderungen, klare Sprache, kein öffentlicher Zoff um programmatische Inhalte. Worum geht‘s? Im Kern darum: Verbraucher sollen die Macht über die auf den Markt geworfenen Produkte gewinnen.
Kämpferisch: Das Manifest zur Reparier-Revolution
Kämpferisch: Das Manifest zur Reparier-Revolution

Wie oft haben Sie den Spruch schon gehört? »Reparatur lohnt nicht!«, sagt der Verkäufer lapidar – und wirkt mit einem mal gar nicht mehr so emsig. Dabei war das coole Smartphone, der Plasma-Fernseher mit der Drei-Kilometer-Bildschirm-Diagonale, war das nicht eben preisgünstige Elektrospielzeug doch der Hit. Behauptete zumindest der selbe Verkäufer. Sehr wortreich. Wenn auch in der letzten Saison...

Die Nase voll von allzu kurzlebigen Produkten (und der Macht der Konzerne, die selbige auf den Markt bringen) haben die Macher der Webseite ifixit.com. Hier heißt das Motto »Do it yourself« (DIY), mach es selber. Und das Motto gilt nicht nur für die Reparatur all der bunten Waren. Sondern selbst für die Reparatur-Anleitungen: Auch die werden selbst erstellt. Im Kollektiv. Zum Mitmachen. Sukzessive entsteht so eine Art Wikipedia für Menschen, die ihre kaputten Produkte in Eigenregie reparieren wollen und gegenseitig Information sammeln, wie das Schritt für Schritt von statten gehen könnte.

Kurz: »iFixit is the free repair manual that you can edit.« (»iFixit ist das freie Reparatur-Handbuch, das Du selbst bearbeiten kannst«)

Gehuldigt wird der »altmodischen Tugend des Reparierens und der Erweiterung der Lebensspanne von Geräten« – vom Toaster über das iPhone bis hin zum PKW. Und wer Großes vor hat, der braucht ein ordentliches Programm. Das haben die iFixit-Freaks vor ein paar Wochen vorgelegt: Das »Self Repair Manifesto«, das Manifest des Selber-Reparierens fordert nicht weniger als eine »Reparier-Revolution«.

Reparieren sei besser als Recyceln, heißt es darin. Denn es sei effizienter und billiger, Produkte wieder in Schuss zu setzen als deren Rohstoffe einer neuen Nutzung zuzuführen. »Reparieren rettet den Planeten«, verkünden die Manifestor-Urheber. Denn in Anbetracht begrenzter Ressourcen sei es besser, das bereits vorhandene Geräte länger zu gebrauchen. So könne man auch Geld sparen. Indem man ein Gerät auseinander baue, könne man zudem am besten verstehen, wie es funktioniere. Dergestalt entstünde eine neue Bindung zwischen Nutzer und Gerät, die über den (als neurotisch empfundenen) Konsum hinausgehe.

Schließlich wird eine Eigentumsfrage neuen Typs aufgeworfen: »If you can‘t fix it, you don‘t own it« – wenn Du ein Gerät nicht eigenhändig reparieren kannst, dann gehört es Dir nicht wirklich!

Was folgt aus der Analyse? Nun, die bisherigen reinen Konsumenten sollen ermächtigt (»empower«) werden – respektive: sich selbst ermächtigen. Sie sollen die Macht über ihre Produkte gewinnen. Und daraus werden Rechte abgeleitet. Geräte sollten so konstruiert werden, das man sie öffnen und selbst reparieren kann. Tschüssi, Verklebung, willkommen, gute alte Schraube! Die Unternehmen sollen eine Reparatur-Dokumentation für ihre Geräte vorlegen. Nicht zuletzt werden Waren gefordert, deren Wieder-Instandsetzung keine proprietären, also gleichsam »eigentumlichen«, als unfrei empfundenen Werkzeuge erfordert. Die stehen schließlich – per definitionem! – nicht jedermann zur Verfügung. Stattdessen soll der Inhalt des heimischen Werkzeugkasten genügen, um Kaputtes zu heilen.

Analyse und Forderungen beinhalten eine implizite Kritik. Und die ist massiv: Heutige Produkte sind eben nicht sehr reparaturfreundlich, schon gar nicht für jedermann und jederfrau oder auch nur den ambitionierten Amateur. Denn solange die kapitalistische Produktionsweise herrscht, haben die Hersteller in aller Regel kein Interesse an allzu langlebigen Produkten. Obdessen auf jaulen klassische Einzelhänder, Ingenieure, Umweltschützer und sogar als wirtschaftsliberal bekannte Ökonomen. Genau das genau wird das Blog-Thema in der ersten Januarwoche sein. Schalten Sie also wieder ein, wenn Sie den Stoßseufzer »Linke und Technik...!« hören. Also am nächsten Freitag. Bis dahin: Einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Surftipps:
Das »Repair Revolution Manifesto« (in leidlich gutem Deutsch)
Das »Repair Revolution Manifesto« (in Englisch)
Die Webseite »iFixit.com«
Überblick über die DIY-Reparatur-Anleitungen

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Die Serie aus dem studentischem Kosmos.

Leben trotz Studium?!

Jetzt 14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt lesen und keine Folge verpassen.

Kostenlos bestellen!

ndLive 2018
ndLive 2018