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Moralischer Triathlon

Heinz Ratz startet morgen seine Konzertreise für die Rechte von Flüchtlingen – mit dem Rad

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 2 Min.

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960 Kilometer Laufen für Obdachlose, 850 Kilometer Schwimmen für den Schutz natürlicher Gewässer und 7000 Kilometer Radfahren – Liedermacher Heinz Ratz startet morgen in die dritte Disziplin seines Triathlons. Mit Konzerten und Pressekonferenzen in fast 70 Städten will er auf die Diskriminierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam machen.
Engagierter Musiker
Engagierter Musiker

Politische Liedermacher genießen in der hiesigen Kulturlandschaft ein Außenseiterdasein. Und damit haben sie eines gemeinsam mit hier lebenden Flüchtlingen und Asylbewerbern. Heinz Ratz schlägt nun die Brücke zwischen beidem, und zwar mit einem Fahrrad. Am 6. Januar beginnt in München seine »Tour der 1000 Brücken«, bei der er bis zum 4. April über 7000 Kilometer zurücklegen und rund 70 Konzerte bestreiten wird.

Was nach einem sportlichen Rekordversuch der Superlative klingt, hat einen politischen Hintergrund. Der Musiker der Band »Strom & Wasser« will damit auf die zum Teil menschenunwürdige Lebenssituation von Flüchtlingen in der Bundesrepublik aufmerksam machen. Auf seiner Tour wird der 42-jährige Sänger und Bassist aus Schleswig-Holstein zahlreiche Flüchtlingslager besuchen und Pressekonferenzen vor Ort und im Rahmen der Konzerte veranstalten.

Nach Angaben von Pro Asyl sind etwa 40 000 Menschen in Deutschland gezwungen, in Lagern zu leben. Das bedeutet zumeist: Leben auf engstem Raum, kein Privatleben, Anwesenheitskontrollen, Lebensmittelpakete, eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Viele Menschen wissen kaum, was das für die Betroffenen bedeutet. Gibt es Unterkünfte in meiner Nähe? Was kann ich persönlich tun? »Ganz wichtig« ist Ratz deshalb, Kontakt zwischen den Bürgern der Stadt und »ihren« Flüchtlingen herzustellen. Vom schneereichen Winter will er sich nicht abschrecken lassen. »Flüchtlinge suchen sich auch nicht das Wetter aus«, entgegnet er trocken vor seiner außergewöhnlichen Deutschland-Reise.

Die Rad-Mission bildet den Abschluss eines »moralischen Triathlons«, wie Ratz sein Anliegen versteht. 2008 ist er für Obdachlose durch die Republik gelaufen, hat ein Jahr später für die Umwelt Seen und Flüsse durchschwommen und widmet sich nun den Flüchtlingen und der Abschottungspolitik, die mit polizeilicher Hi-Tech-Akribie an den europäischen Außengrenzen sichtbar wird.

Monatelange Recherchen, Organisation und Spendeneinwerbung liegen hinter Ratz. Bei den Tourstationen ist seine Idee auf herzliche Mithilfe, aber auch offene Ablehnung gestoßen. Bei seiner ersten Station im bayerischen Rosenheim steht die CSU-Oberbürgermeisterin jedenfalls hinter dem Projekt. Unterstützung erhält er auch von Pro Asyl und Flüchtlingsräten sowie von zahlreichen Musikerkollegen. Mit dabei sind Götz Widmann in München, Dota, die Kleingeldprinzessin in Berlin, Gymmick in Fürth. Mitradler von einem zum anderen Etappenort sind ausdrücklich erwünscht, sagt Ratz.

Im Laufe der Tour wird Ratz immer wieder Tagebuchnotizen im Internet veröffentlichen. Er hat auch eine Filmkamera dabei. »Mir schwebt vor, über alle drei Aktionen eine Filmdokumentation zu erstellen«, blickt der Hauptdarsteller bereits über den 4. April hinaus.

Tourdaten und weitere Informationen: www.1000bruecken.de.

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