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Der Abrissbagger wartet bereits

Bad Segeberg will Jugendzentrum schließen

  • Von Dieter Hanisch, Bad Segeberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das selbstverwaltete Jugendzentrum in Bad Segeberg steht vor dem Aus. Der seitens der Stadt aufgekündigte Pachtvertrag ist mit dem Jahreswechsel ausgelaufen. Zur Schlüsselabgabe beim Bürgermeister erschienen die Jugendlichen allerdings nicht.

In Bad Segeberg, wo jedes Jahr im Sommer die Karl-May-Festspiele touristische Besucher anlocken, ist nun das Kriegsbeil ausgegraben. Streitobjekt ist das selbstverwaltete Jugendzentrum der Kommune. Für Segebergs SPD-Bürgermeister Dieter Schönfeld sind die Widersacher jene Jugendlichen, die die Kündigung des Pachtvertrages durch die Stadt nicht anerkennen und einen Anwalt eingeschaltet haben. Für sie kommt die Aufgabe des bisherigen Standorts nicht in Frage, weil es bisher keine adäquate Ersatzimmobilie gibt. Und weil Schönfeld sich gerade in Rage geredet hat, bezeichnet er seine Widersacher nunmehr als »junge Erwachsene, die nichts auf die Reihe kriegen«. Er empfinde es »als Zeitverschwendung, mich mit solchen Leuten auseinanderzusetzen«. Deutlicher kann man wohl kaum sagen, dass ein Dialog nicht gewünscht ist.

Attraktives Grundstück

Die Betroffenen fühlen sich zu Unrecht in eine »Schmuddelecke« gestellt. Das von ihnen seit rund zehn Jahren genutzte frühere Hotel am Kalkberg (HaK) ist zwar keine Augenweide, doch war es steter Anlaufpunkt für zahlreiche Teenager weit über Bad Segeberg hinaus. Beschwerden aus der Nachbarschaft – manchem dort werden Kontakte in die rechte Szene nachgesagt – haben dafür gesorgt, dass bereits in den vergangenen Jahren ordnungsrechtlich die Daumenschrauben durch die Stadt gewaltig angezogen wurden. Die Zahl von Musikveranstaltungen wurde auf ein Minimum begrenzt. Diese waren aber die Haupteinnahmequelle zur Finanzierung der Arbeit im »HaK«, so dass die Stadt nun unter Verweis auf leere Haushaltskassen von einer kostenintensiven Jugendarbeit sprechen kann.

Alle Fraktionen im Stadtparlament sind inzwischen gegen das »HaK« – mit Ausnahme einzelner SPD-Vertreter. Mit einem im Sozialausschuss vorgestellten Nutzungskonzept stießen die »HaK«- Verantwortlichen auf taube Ohren, friedliche Demonstrationen zum Erhalt des Jugendtreffs (ND berichtete) verpufften.

Im laufenden Haushalt sind inzwischen die Abrisskosten für das »HaK« aufgeführt. Bürgermeister Schönfeld gibt ohne Umschweife zu, dass er längst die Abrissverfügung unterschrieben hat. Bei der Stadt hofft man, für das attraktive Grundstück noch einen finanzkräftigen Investor zu bekommen.

Mahnwache am 8. Januar

Der Konflikt ist nicht neu, einst wurde sogar ein so genannter »HaK«-Beirat eingerichtet. Doch in dem Gremium ging es meist nur darum, welche Opfer die Nutzer der umstrittenen Einrichtung bringen sollten. Von Gesprächen auf Augenhöhe konnte keine Rede sein. Zuletzt tagte der Beirat gar nicht mehr.

Auch im Zusammenhang mit der Sperrung einer überaus beliebten Skateranlage hat Schönfeld die Nutzer als Störenfriede dargestellt. Jetzt hat sich eine Elterninitiative auf die Seite der »HaK«-Jugendli- chen gestellt, um zu zeigen, dass es bei der aktuellen Auseinandersetzung nicht um die isolierte Meinung von einigen wenigen jungen Leuten geht.

Unterdessen setzt die Stadt auf ein neues Jugendkonzept mit fest angestellten Sozialarbeitern und Erziehern, die eng alle Aktivitäten des Ganztagsschulbetriebes in die Jugendarbeit überleiten sollen. Für eine Selbstverwaltung ist in dem Leitfaden kein Platz. Die »HaK«-Aktivisten rufen jetzt zur Teilnahme am städtischen Neujahrsempfang am 8. Januar auf. Die rund 300 Gäste sollen dann zur Mittagszeit vor dem Rathaus durch ein Mahnwachen-Spalier gehen müssen.

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