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Verlorenes Jahrzehnt

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Man muss nicht das vermeintliche Winston-Churchill-Zitat über das Vertrauen in Statistiken bemühen, um sich über die anhaltende Erfolgspropaganda in Sachen Arbeitsmarkt zu ärgern. Es ist nämlich nicht nur unklar, wie viele potenzielle Beschäftigte, etwa zu Hause bleibende Ehefrauen, nicht einmal mehr gemeldet sind. Der Schwindel geht weiter mit den rund 25 Prozent der Gemeldeten, die sich in einer Maßnahme befinden und deshalb nicht mitgezählt werden. Am ärgerlichsten aber sind die Zahlen über die Ausweitung der arbeitenden Bevölkerung: Wo die Beschäftigung – in Vollzeitstellen gerechnet – abnimmt und auf viele Schultern verteilt wird, proklamiert die Politik Rekorde.

Wer das bezahlt, hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kürzlich vorgerechnet: Inflationsbereinigt sank das reale Arbeitsentgelt in Deutschland allein im vergangenen Jahrzehnt um 4,5 Prozent – während das Lohnniveau in skandinavischen Ländern um ein Fünftel und weltweit um ein Viertel anzog. Betrug die Lohnquote am Volkseinkommen noch vor zehn Jahren gut 72 Prozent, sank sie im verlorenen Nuller-Jahrzehnt auf 64 Prozent – schon vor der Krise, die den Trend noch verstärkte.

Im Jahr 2010 sollte nach der gleichnamigen »Agenda« nach zeitweisen Opfern wieder alles in Ordnung sein in Deutschland. Und »gegriffen« hat die Politik des SPD-Ex-Kanzlers Gerhard Schröder allemal. Die Republik hat sich in ein international gefürchtetes Lohndumpingparadies verwandelt, in etlichen Branchen ist das traditionelle Tarifsystem de facto zusammengebrochen. Bleibt nur die Frage, ob all das eine Fehlentwicklung ist – oder doch das nie erklärte Ziel dieser Politik gewesen war.

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