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Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky verhaftet

Münchner Staatsanwalt sieht dringenden Tatverdacht wegen Untreue und Steuerhinterziehung

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky ist am Mittwoch verhaftet worden. Der Manager war wegen der ungeklärten Herkunft eines 50-Millionen-Dollar-Vermögens ins Visier der Münchner Staatsanwaltschaft geraten.

München (Agenturen/ND-Damm). Einst war er im Vorstand der BayernLB für die Risikosteuerung und Vermeidung von Kreditausfällen verantwortlich. Jetzt wird Gerhard Gribkowsky selbst zum Risiko. Gegen den Bankmanager bestehe ein dringender Tatverdacht auf Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung, teilte die Staatsanwaltschaft in München nach der Festnahme mit. Nach Angaben der Online-Ausgabe der »Süddeutschen Zeitung« drohen Gribkowsky fünf bis zehn Jahre Gefängnis.

Die Zeitung war es auch, die den Fall Gribkowsky ins Rollen gebracht hatte. In seiner Zeit als Vorstandsmitglied soll er für den Verkauf der BayernLB-Anteile an der Formel 1 Zuwendungen erhalten haben, die als Beraterverträge getarnt gewesen sein sollen. Dabei geht es um 50 Millionen Dollar. Diese Summe hatte Gribkowsky 2006 und 2007 aus Konten in der Karibik und in Mauritius in die von ihm in Salzburg gegründete Privatstiftung »Sonnenschein« überführt und in einer Tochterfirma der Stiftung angelegt. Die Stiftung hat ein Vermögen von 25 Millionen Euro und dient der Versorgung des Managers und der von ihm benannten »Begünstigten«. Außerdem gehört zu der Stiftung die 2009 gegründete Gesellschaft »Aktion Zeitgeschenk«, die sich um krebskranke Kinder kümmern soll. Den großen Krebshilfe-Organisationen sind die Sonnenschein-Stiftung und die dazugehörige »Aktion Zeitgeschenk« nach Angaben der »Süddeutschen« nicht bekannt.

Doch es geht nicht allein um die Herkunft des Geldes oder die weitere Verwendung. Nach Angaben der Steuerbehörden hätte das Geld auch in Deutschland versteuert werden müssen. Schließlich hat der Manager seinen Wohnsitz und Arbeitsplatz in Deutschland. In Österreich beträgt der Steuersatz 25 Prozent, in Deutschland hätte er durch den Steuersatz von rund 40 Prozent mehrere Millionen Euro an den Fiskus zahlen müssen. Jetzt wird wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt.

In Österreich war bereits 2006 gegen Gribkowsky ermittelt worden, berichtet die Wiener Zeitung »Kurier«. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche seien 2007 eingestellt worden.

In der vergangenen Woche war Gribkowsky bei der Münchner Staatsanwaltschaft erschienen, um sein bis dahin verheimlichtes Vermögen anzugeben. Woher das Geld stammt, sagte er nicht. Vermutet wird jetzt, dass das Geld mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile zusammenhängt, an dem Gribkowsky federführend beteiligt war. Hintergrund ist die Pleite des einstigen Medienmoguls Leo Kirch, dem die Landesbank zwei Milliarden Euro geliehen hatte. Die BayernLB hatte das Kirch-Engagement bei der Formel 1 übernommen, um durch einen späteren Verkauf der Rennserie wieder zu ihrem Geld zu kommen.

Der neue Skandal kommt der BayernLB extrem ungelegen, war die Landesbank doch bereits nach dem Fehlkauf der maroden österreichischen Hypo Group Alpe Adria, an dem Gribkowsky ebenfalls beteiligt war, als Sanierungsfall in die Schlagzeilen geraten. Ehemalige Vorstandsmitglieder distanzierten sich nach den Enthüllungen ausdrücklich von ihrem einstigen Kollegen.

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