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Retter des Archivs

Günter Benser 80

  • Von Siegfried Prokop
  • Lesedauer: 2 Min.

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Nach der finalen Krise der DDR 1989/90, die auch eine durch die SED-Geschichtswissenschaft mitverschuldete war, fragte sich Günter Benser, ob er überhaupt berechtigt sei, seine Tätigkeit als Historiker fortzusetzen. Seit Mitte der 50er Jahre am Institut für Marxismus-Leninismus (IML) beim ZK der SED beschäftigt, war er Mitglied des Rates für Geschichtswissenschaft und des Nationalkomitees der Historiker der DDR und gehörte der Redaktion der »Zeitschrift für Geschichtswissenschaft« an. Nachdem sich Benser im grundstürzenden Umbruch mehrfach mündlich und schriftlich zu seiner Mitverantwortung kritisch geäußert hat, beschloss er selbstbewusst, künftighin nicht mehr jede Wortmeldung zur Sache mit einer Entschuldigung zu beginnen.

Die demokratische Volksbewegung im Herbst 1989 hatte Benser nicht unvorbereitet getroffen. Schon lange hatte er sich mit den allseits sichtbaren Defiziten und Krisenerscheinungen im Lande auseinandergesetzt, und vor 20 Jahren zögerte er nicht, wie er es selbst einmal formulierte »ein wenig in die Speichen des Rades der Politik mit einzugreifen«. Am 10. November 1989 forderte er auf der Kundgebung im Berliner Lustgarten vor 150 000 Menschen die Erneuerung der SED von unten und die Wahl eines neuen Zentralkomitees auf einem außerordentlichen Parteitag. Am 8. Dezember konstituierte sich unter seinem Vorsitz ein Arbeitsausschuss am IML. Auf der Vollversammlung am 21. Dezember wurde Benser zum Direktor der Einrichtung gewählt, die sich jetzt zum Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung formierte. Am 11. Dezember lieferte er 15 Seiten Zuarbeit zum Referat für den Sonderparteitag bei der Arbeitsgruppe »Ursachen der Krise und die Verantwortung der SED« ab. Das von Michael Schumann am 16. Dezember 1989 vorgetragene Referat »Zur Krise der Gesellschaft und zur Verantwortung der SED« hatte nicht zuletzt wegen des definitiv vollzogenen Bruchs mit dem Stalinismus historische Bedeutung.

In Bensers Institut gründete sich eine »Arbeitsgruppe Opfer des Stalinismus«, die biografische Daten ermittelte und veröffentlichte, Betroffene zu Wort kommen ließ, Rehabilitierungsvorschläge unterbreitete und bis dahin streng geheim gehaltene Dokumente publizierte. 1990 war Benser Mitgründer und seither Mitglied der Stiftung Gesellschaftsanalyse und politische Bildung, der heutigen Rosa-Luxemburg-Stiftung, im Jahr darauf Mitgründer und bald auch Vorsitzender des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung.

Benser gehört zu den profiliertesten marxistischen Zeithistorikern dieses Landes mit einer reichen Ausbeute an Publikationen. Seine Bibliographie listet 507 Titel auf, nicht nur zur National- und Parteigeschichte, sondern auch zu Fragen der Methodologie der Geschichtswissenschaft. Zu seinen wohl größten Leistungen gehört, dass das Parteiarchiv der SED die Gefährdungen und Turbulenzen der Wende und Vereinigung unbeschadet überlebte und heute im Bundesarchiv der Forschung zur Verfügung steht.

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