Flut bedroht Korallenriffe

Hochwasser in Nordostaustralien spült Dreck bis zum Great Barrier Reef

In Nordostaustralien steht eine Fläche größer als Deutschland und Frankreich unter Wasser. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden. Zu allem Übel bedroht das abgespülte Erdreich auch das Great Barrier Reef vor der Küste.

Es schüttet wie aus Eimern in Queensland. Tausende Menschen mussten evakuiert werden, über 50 Personen sind bereits ums Leben gekommen. Als wäre das alles nicht schlimm genug, sorgen sich Meeresbiologen um das Great Barrier Reef. So mancher Wissenschaftler fühlt sich an 1991 erinnert. »Die Überschwemmungen von 1991 hatten extreme Folgen für das Riff. Bis zu einer Wassertiefe von sechs bis acht Metern waren die meisten Korallen ausgelöscht«, sagt Alison Jones von der Central Queensland University in Rockhampton.

»Es gibt keinen Zweifel, dass die Flutfahne und mit ihr Nährstoffe und Sedimente schon eine Auswirkung haben und weiterhin haben werden«, meint Jones. Zusammen mit Wissenschaftlern anderer Institutionen wie der staatlichen Great Barrier Reef Marine Park Authority führt Jones wöchentlich Messungen vor den Keppel Inseln vor Rockhampton durch. Dort münden einige Flüsse ins Meer und ihre dunkelbraunen Wasserfahnen reichen weit hinaus in die Korallensee bis zu den berühmten Tauchgründen vor den Keppel Islands.

Für die Korallen bringen die Schutzwasserfahnen gleich mehrere Bedrohungen. Durch die starke Süßwasserzufuhr sinkt der Salzgehalt des Meerwassers. Zudem wird das Wasser durch die Sedimente weniger lichtdurchlässig. Das ist verheerend für die Photosynthese der Algen, die im Innern der Korallentierchen leben und diese mit Nährstoffen versorgen. Überdies bringt das Flusswasser Schwermetalle, Pestizide und Herbizide von Feldern und aus Industrieanlagen. Die fügen den Korallen immensen Schaden zu. Sei es direkt, oder indirekt, indem sie die Vermehrung von Makroalgen fördern oder auch die der gefräßigen Dornenkronenseesterne, die sich von Korallen ernähren. Geht es aber den Korallen schlecht, geht es auch all jenen Fischarten an die Kiemen, denen Korallenriffe Lebensraum und Nahrung bieten.

Die Experten schätzen, dass sie frühestens Ende März mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der Schäden am Riff beginnen können. Solange könnte das regenreiche Wetterphänomen La Niña anhalten und für weitere Überschwemmungen sorgen. Es wird lange dauern, bis sich die Riffe wieder von den Schäden erholt haben werden. Britta Schaffelke vom Australischen Institut für Meereswissenschaft sagt: »Abhängig vom Ausmaß des Schadens kann das Jahre dauern.« Angesichts der drohenden Katastrophe für das Great Barrier Reef ist die Aussicht der Fischer auf eine Zunahme der Population von Köderfischen durch die reiche Nährstoffzufuhr nur ein schwacher Trost. Nach der Flut von 1991 haben die Riffe bis zu zehn Jahren für ihre Erholung gebraucht.

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