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Sicher auf drei Beinen

Standfestigkeit von Offshore-Windanlagen stellt Prüfbehörden vor neue Herausforderungen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 2 Min.
Die mächtigen Windräder in der Nord- und Ostsee sollen trotz ihrer dünnen Beinchen sicher stehen. Dafür konstruieren die Ingenieure, zertifiziert der Germanische Lloyd und prüfen letztinstanzlich zwei Bundesbehörden. Und doch fragen sich Experten, ob Offshore-Anlagen Wind und Wellen lange genug standhalten?

»Nein, die Standsicherheit ist keine unsichere Sache«, beteuert eine Sprecherin von Alpha Ventus. Der erste Offshore-Windpark vor Deutschlands Küste wurde vor einem Jahr von der schwedischen Vattenfall, E.on und dem regionalen Versorger EWE in der Nordsee gestartet. Die in Norwegen geschweißten und aus Holland gelieferten Beine sind mit »Gründungspfählen« befestigt, die bis zu 40 Meter tief in den Meeresboden gerammt wurden. Jährlich werde vom Germanischen Lloyd, einem maritimen TÜV, ein Viertel jeder Anlage mit Tauchern und Sensoren geprüft. Im Pilotprojekt Alpha Ventus werden zwei Stand-Varianten bei 30 Meter Wassertiefe ausprobiert, massige dreibeinige »Tripods« und durchlässige Gittermasten, die an Strommasten erinnern. Dänische oder britische Windparks, meist in weniger tiefem Wasser, bauen vor allem auf einbeinige Unterwasserfundamente.

Doch noch sind längst nicht alle Offshore-Fragen zwischen Lärmschutz und Standsicherheit geklärt. Dies sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Monika Breuch-Moritz, vergangene Woche auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg. Das BSH wirkt als »Bauaufsichtsbehörde«. Dazu gehören Untersuchungen des Baugrundes. »Wir gewährleisten die Standsicherheit bei Offshore-Anlagen«, beruhigt eine BSH-Sprecherin, »die Schwierigkeit dabei ist, dass wir nicht auf einschlägige Erfahrungen zurückgreifen können.« Noch wisse niemand genau, ob die »Gründung« dem Zahn der Zeit wirklich standhält. Die bis in 100 Meter reichenden Rotoren erzeugen gewaltige dynamische Kräfte, nicht zu vergleichen mit Ölbohrplattformen. »Wir versuchen«, so das BSH, »uns mittels Beobachtungsmethoden immer wieder modellhaft zu vergewissern, wie es um die Standsicherheit bestellt ist.«

Betreibern kann dann im Ergebnis haargenau ein Kolkschutz verordnet werden. Kolke sind Vertiefungen am Meeresboden, die sich durch Meeresströmungen ausweiten können. »Die entsprechende Firma muss dann dafür sorgen, dass Steine aufgeschüttet werden, um den Sand zu sichern; damit die Windkraftanlage nicht unterspült wird.«

»Für die Konstruktion von Offshore-Windkraftanlagen gibt es die Gründung betreffend zahlreiche offene Fragen«, meinen auch die Fachleute der Bundesanstalt für Materialforschung. So könnten beispielsweise Änderungen in der Steifigkeit des Baugrundes zum »Versagen der Gesamtstruktur« führen. Ein Windrad wiegt immerhin bis zu 1500 Tonnen, so viel wie ein Güterzug der Bahn. Unklar bleiben vor allem die langfristigen Wirkungen von Wind, Wellen und Betrieb.

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