Treu über den Tod hinaus: V-3399, Deckname »Bär«

Der BND will seine Geschichte aufarbeiten – ein »Abenteuer« mit geringem Risiko

Alles andere wäre gar nicht BND-gemäß gewesen: »Im Auftrag« und mit Entschuldigung für die »verspätete Rückantwort« verweist der deutsche Auslandsgeheimdienst »bzgl Ihrer Fragen zur Aufarbeitung der BND-Geschichte« auf die aktuellen Ausgaben von Spiegel-Online und Süddeutscher Zeitung. Da sind zwar nicht die Antworten auf die von ND gestellten Fragen zu finden, wohl aber euphorische Sprüche über »ein Abenteuer mit einem ungewissen Ausgang« oder eine »Reise in eine andere Galaxie«. »Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist«, zitiert man den BND-Präsidenten Ernst Uhrlau. Ganz so abenteuerlich ist es nicht, das Fass zu öffnen. Man hat genehme Historiker ausgesucht und wie man hört, hat ein einstiger BND-Geheimschutzmann die Akten vorsortiert. Zugleich »offenbarte« der Dienst quasi als Vorleistung Bekanntes: Man hielt den Aufenthaltsort des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann lange geheim und führte den »Henker von Lyon« Klaus Barbie als V-Mann. Am Mittwoch hat die Koalitionsmehrheit im Innenausschuss des Bundestages die von LINKEN und Grünen befürwortete Öffnung der BND-Akten abgelehnt, die SPD enthielt sich. Am Abend gab es auf Antrag der Linksfraktion überraschend eine Aktuelle Stunde zum Thema, die aber nicht überraschend verlief. Anmerkungen zum Thema Kalter Krieg und BND als Spiegel bundesdeutscher Geschichte von RENÉ HEILIG.

Der junge Bernau – ein »Arier« wie aus dem Bilderbuch der SS

Berlin, Hauptstadt der Agenten, Anfang der 50er Jahre. Es war Februar, da sorgte das, was man später BND-intern die »Affäre Krick« nennen sollte, für Aufregung in den westlichen Spionagezentralen. Karl Krick war sogenannter Zonenflüchtling. Er schien umtriebig zu sein und versehen mit guten Kontakten in seine ostdeutsche Heimat. Die Organisation Gehlen, Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, warb ihn als Verbindungsführer für die Ost-Wirtschaftsspionage. Er leitete einen Mann aus dem Ostberliner Transformatorenwerk, hatte eine Quelle im LEW Henningsdorf, eine bei der WOWA in Wildau, ein weiterer Agent saß bei RFT in Leipzig. Ein Mann aus der Brandenburger Justiz machte mit, hinzu stieß ein Mitarbeiter der Deutschen Kraftstoff- und Mineralölzentrale, wo man koordinierte, was in LEUNA produziert wurde. Auch ein pensionierter Reichsbahner gehörte zum Agentenring, ebenso ein Baurat aus Borna.

Hauptfigur in Gehlens »Krick«-Panne

Dann nahm...


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