Don Quichotte schlägt zurück

Gentechnikgegner Jörg Bergstedt schreibt über die Machenschaften von Monsanto

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Der Gentechnikgegner Jörg Berg-stedt hat ein Buch über die Machenschaften der Gentechnik-Lobby in Deutschland geschrieben und gnadenlos mit den internen Verflechtungen zwischen Politik, Forschung und Wirtschaft abgerechnet.

Wenn Jörg Bergstedt ein Buch schreibt, ärgern sich nicht nur große Konzerne und bekannte Politiker. Ohne Rücksicht auf Verluste greift der Anarchist alles und jeden an, der sich seiner Ansicht nach an dem großen Spiel der Machenschaften um Macht und Einfluss beteiligt. Seit einigen Jahren kämpft Bergstedt leidenschaftlich gegen die Gentechnik-Lobby. Mehrere Male beteiligte er sich an »Feldbefreiungen«, bei denen gentechnikveränderte Pflanzen (GVO) von Aktivisten ausgerissen werden. Im September musste Bergstedt deshalb für sechs Monate ins Gefängnis – das ist die längste Haftstrafe, zu der ein »Feldbefreier« bis jetzt verdonnert wurde. Er nutzte die Zeit, um seine Enthüllungsbroschüre »Organisierte Unverantwortlichkeit« über die unlauteren Praktiken der GVO-Lobby zu einem Buch auszuarbeiten. Das Buch »Monsanto auf Deutsch, Die Enzyklopädie der Gentechnik-Seilschaften« hat sich seit Erscheinen laut den Herausgebern schon über 1000 Mal verkauft.

Im Gegensatz zum 2008 von »Arte« ausgestrahlten Dokumentarfilm »Monsanto, mit Gift und Genen« über die Machenschaften des Konzerns handelt das Buch von Bergstedt ausschließlich vom Einfluss der Gentechniklobby in Deutschland. Auf rund 240 Seiten durchleuchtet er alle gesellschaftlichen Bereiche auf ihr Verhältnis zu den Gentechnikkonzernen sowie deren Praktiken, sich in Deutschland Gehör zu verschaffen. Dabei lässt er nichts aus: Angefangen bei den Beamten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bis hin zum Landwirtschaftsministerium, aber auch von Universitäten, Forschungsinstituten, Lobbyverbänden bis hin zu den Praktiken der GVO-Konzerne selbst. Vor allem der politische Sumpf raubt dem unbedarften Verbraucher alle Illusionen. Jede Partei, von CDU bis zur Linkspartei, ist auf ihre Weise mit dem GVO-Clan verbandelt. Was die Behörden wie das BVL betrifft, musste der Autor nicht mal investigativ tätig sein, da sich die betreffenden Beamten gerne öffentlich als GVO-Fans bekennen. Überhaupt sind einige Forscher und Politiker sehr offen in ihrem parteiischen Bekenntnis, sodass Bergstedt neben internen Mails und Papieren nur die Mitgliederlisten der jeweiligen Verbände, Pressemitteilungen oder Lebensläufe durcharbeiten musste, um die Seilschaften beim Namen nennen zu können.

Verschont werden in dieser Abrechnung auch die eigentlich »Guten« nicht. Das überrascht wenig, denn schon mit anderen Beiträgen wie seinem 2004 erschienenden Band »Mythos Attac« hat sich Bergstedt auch in der eigenen Szene unbeliebt gemacht. Auch in seinem neuen Buch werden bekannte Netzwerke wie Campact oder auch Umweltverbände der Übernahme von »herrschaftsnahen« Praktiken und Strategien schuldig gesprochen. So prangert der Autor deren unzählige Unterschriftenkampagnen und »bequeme« Onlinepetitionen an und verhehlt dabei nicht seine tiefe Verachtung für die modernen Wohnzimmerrebellen.

Besonders in diesem Kapitel zeigt sich deutlich die Schwäche des Buches: Trotz guter Recherchen und einem wichtigen Anliegen verspielt der Autor seine Seriosität oftmals durch beißende Polemik – die ein solches Buch im Übrigen auch gar nicht nötig hat, da die Fakten für sich sprechen. Zu befürchten ist deshalb, dass dieses Buch – gerade in Kreisen, wo es erschüttern solle – ignoriert wird. Aufdeckungen wirken meist am nachhaltigsten, wenn sie seriös und objektiv aufgemacht sind. Selbst wenn Bergstedt mit vielen seiner Argumente und Enthüllungen recht hat, werden seine Gegner ihn durch die polemische Aufmachung nicht ernst nehmen. So wird Bergstedt ungewollt zum Don Quichotte der Anti-Gentechnikbewegung, obwohl seine Recherchen das Zeug hätten, Furore zu machen.

Jörg Bergstedt: »Monsanto auf Deutsch. Die Enzyklopädie der Gentechnik-Seilschaften«, ISBN 978-3-86747-043-8, Verlag: SeitenHieb, 240 Seiten, 18 Euro.

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