Ein Rad in der Maschinerie der Menschenvernichtung

Französische Bahn stellt sich ihrer Rolle bei der Judendeportation

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Die SNCF, Frankreichs Staatsbahn, hat eine Liegenschaft für die Errichtung einer Stätte des Gedenkens an die Judendeportation zur Verfügung gestellt. Bahnchef Pepy betonte, sein Unternehmen wolle die Rolle bei den Transporten in Vernichtungslager weiter aufklären. Aktuelle Anwürfe in den USA gegen die SNCF haben dagegen fadenscheinige Motive.

Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs von Bobigny bei Paris, wo 1943 und 1944 insgesamt 22 407 Juden in 21 Züge verfrachtet und nach Auschwitz deportiert wurden, soll gemeinsam mit dem nahe gelegenen ehemaligen Sammellager Drancy in eine Gedenkstätte umgewandelt werden. Dazu wurde das 3,5 Hektar große Bahngelände am Dienstag in Anwesenheit ehemaligen Deportierter feierlich von der Staatsbahn SNCF an die Stadt Bobigny übergeben. Ehrengast der Zeremonie war Simone Veil, ehemalige EU-Parlaments-Präsidentin, die selbst als junges Mädchen von Drancy über Bobigny nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden war.

SNCF-Präsident Guillaume Pepy erklärte, dass sich das Unternehmen der eigenen Vergangenheit stelle, sie zu verstehen versuche, Lehren ziehe und die Erinnerung bewahren wolle. »Die SNCF war seinerzeit zwangsverpflichtet und in den Dienst der deutschen Besatzer gestellt«, sagte Pepy. »Sicher, unser Unternehmen hat diese Züge nur bis zu...


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