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Kunst-Stücke leiser Töne

Uta Gebert zeigt »Anubis« und »Jakusch«

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Ein Zauber. Anders lässt es sich nicht erklären, warum man sich nach diesem Stück über den Tod gut fühlt. Uta Gebert, bekannt durch ihre leise Art, dunkle Dinge in ein bisher nicht gekanntes Licht zu setzen, vollbringt dieses Kunst-Stück in ihrer Inszenierung »Anubis«. Die Puppenspielkünstlerin verbindet ägyptische Mythologie und Wiener Moderne, als sei dies völlig normal.

So befremdet es keineswegs, dass ihr Anubis, der altägyptische Gott der Totenriten, sich Worten aus »Der Tor und der Tod« von Hugo von Hofmannsthals bedient.

Es knarrt, wenn Anubis in seinem Boot über der Bühne schwebt und über den Fluss setzt, um Seelen ins Totenreich zu holen, wie es seine Bestimmung ist. Neugierig blickt er um sich in seinem Mantel mit Kapuze. Die Bühne ist dunkel, wenn er sich dem Grab nähert. Schwarz gekleidet hat sich Gebert hinter der Puppe nahezu unsichtbar gemacht. Wie auch immer sie das schafft – sie verleiht ihrem Anubis Würde. Distanz zu dieser Figur stellt sich ein, aber Widerwillen gegen sie nicht.

Dieser Gott ruht in seiner Einsamkeit in sich. Beinahe selbstverliebt tanzt er und hat dabei sogar etwas Schalkhaftes. In Geberts Stück begegnet er einer Trauernden, die er am Ende mit dem Lauf der Dinge versöhnt. »Steh auf! Wirf dies ererbte Graun von dir / Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! / Aus des Dionysos, der Venus Sippe / Ein großer Gott der Seele steht vor dir...«

Einen erheblichen Anteil an der emotionalen Kraft der Inszenierung hat die Musik von Ulrich Kodjo Wendt und Mark Badur, genauso wie die von Ilka Schönbein eingesprochene Worte. Wenn es auch ein nicht zu begrüßender Trend zu sein scheint, dass Puppenspieler mit Sprache vom Band arbeiten – hier ist es durchaus wirkungsvoll. Aus der Energie der mit Professionalität eingesetzten und miteinander verbundenen verschiedenen künstlerischen Mittel erwächst der Zauber dieses Stücks. »Hab ich dich angerührt im Seelengrunde / Mit heiliger, geheimnisvoller Macht.«

Obgleich verzaubert – nach 30 Minuten in der Schaubude lässt Uta Gebert ihre Zuschauer noch nicht gehen. Sie zeigt als zweites Stück »Jakusch«. Ein alter Mensch findet sich im Mittelpunkt dieser kurzen Inszenierung. Was bleibt ihm noch? Was bewegt ihn? Worte gibt es nicht. Aber seine Seufzer erzählen. Wer das Theater der leisen Töne liebt, sollte sich diese zwei Stücke gönnen.

30.1., 20 Uhr, Schaubude Berlin, Greifswalder Str. 81, Prenzlauer Berg, Telefon.: 423 43 14, www.schaubude-berlin.de

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