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Fachkräfte ausbilden, werben und locken

Demografische Zeitenwende auf Ausbildungsmarkt

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 3 Min.

»Harte Zeiten« beschwor gestern der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) Jan Eder. Als »Alarmruf« sollte der Hinweis auf die dringende Sicherung von Fachkräften verstanden werden, um das »Ruder herumzureißen«. Ungeachtet solcher dramatischer Äußerungen wurde von der Interessenvertretung der Wirtschaft gestern eine höchst nüchterne Studie »Sicherung des Fachkräfteangebots in Berlin im demografischen Wandel« vorgelegt.

Noch sei es nicht zu spät. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft müssten nur schnell und konsequent handeln, lautete deren wieder etwas beruhigende Botschaft. Dazu gab es Empfehlungen an Unternehmen. Sie sollten zum Beispiel für Naturwissenschaften bereits in den Kitas begeistern und das »Haus der kleinen Forscher« fördern. Die Pflege von Kontakten mit Hochschulen wird ebenso angeregt wie das gezielte Ansprechen von Studienabbrechern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Verlockend wirken sollen auch Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit flexiblen Arbeitszeiten und -orten und sogar mit »gegebenenfalls finanzieller Unterstützung«.

An die Politik richtet sich der Rat zur Verbesserung der Bildung und Förderung von Schulen mit Schwerpunkt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Den Absolventen dualer Berufsausbildung solle der Weg in die Hochschulen gebahnt, ausländischen Fachkräften der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Quasi als Werbebüro für in- und ausländische Fachkräfte wird die Bildung einer »Fachkräfteagentur« angeregt.

Zufrieden zeigte sich Jan Eder mit der am Vortag unterzeichneten »Berliner Vereinbarung zur Nachwuchskräftesicherung durch Ausbildung«. Sie hat eine Laufzeit von 2011 bis 2014 und soll helfen, künftig den Fachkräftenachwuchs zu sichern und allen interessierten jungen Berlinern ein betriebliches Ausbildungs- oder Qualifizierungsangebot unterbreiten zu können. Darauf hatten sich Senat, Kammern, der Unternehmerverband UVB, der DGB und die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit geeinigt. Nachdem man sich in der Vergangenheit nicht selten gegenseitig die Verantwortung zugeschoben hatte, bekennen sich die Akteure damit zu gemeinsamer Verantwortung.

»Wir brauchen jeden und können niemanden verloren geben«, unterstrich IHK-Bildungsgeschäftsführer Christoph von Knobelsdorff. Die »demografische Zeitenwende« habe den Berliner Ausbildungsmarkt erreicht.


Bevölkerungsentwicklung

  • Das Durchschnittsalter in Berlin steigt bis 2030 um 2,8 Jahre, die Zahl der über 80-Jährigen wird sich nahezu verdoppeln und die erwerbsfähige Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren um 5,1 Prozent gegenüber 2007 zurückgehen.
  • Berlins Bevölkerungswachstum hält bis 2023, in der Spitze werden 3,48 Millionen Einwohner erwartet. Bis 2030 wird ein leichter Rückgang auf 3,47 Millionen, ein deutlicher Rückgang auf 2,9 Millionen Menschen bis 2060 erwartet.
  • Das Verhältnis von Erwerbsfähigen zur übrigen Bevölkerung verschlechtert sich bis 2060 von fast 2:1 auf den Bundesdurchschnitt von etwa 1:1.

Angaben: Statistisches Bundesamt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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