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James Dean bis heute unvergessen

Schau im Museum The Kennedys würdigt Facetten des jung verstorbenen Ausnahme-Schauspielers

Die USA 1954: Die Männer trugen Anzug, Schlips und Hut, die Frauen brave Kleider. Der Stern des Kommunistenjägers McCarthy begann zu sinken, und Rock’n’Roll wurde gerade erst erfunden. In dieser stockkonservativen Ära avancierte ein junger Mann in Rollkragenpullovern und Jeans, die Zigarette lässig im Mundwinkel, zur neuen Kultfigur: James Dean, der mit seiner Darstellung des sensiblen Rebellen genau den Nerv der Zeit traf. Am 8. Februar wäre der früh Verstorbene 80 Jahre alt geworden – Grund für das Museum The Kennedys, ihm eine Sonderausstellung zu widmen.

In mehr als 15 weltbekannten Fotografien würdigt die Schau »James Dean: A Different Icon« die verschiedenen Facetten des begnadeten Schauspielers sowie, anlässlich der gerade zu Ende gegangenen Berliner Fashion Week, sein ungewöhnliches Modebewusstsein. Eine Ikone trifft hier auf die andere: In unmittelbarer Nachbarschaft zu Fotos, Zeitungsartikeln und Memorabilien von JFK und seiner Familie ist dem melancholisch-trotzigen Außenseiter Dean eine ganze Wand gewidmet, gespickt mit großartigen Schwarz-weiß-Aufnahmen der Fotografen Phil Stern, Roy Schatt und Dennis Stock.

Fast alle Arbeiten sind Klassiker, die man aus unzähligen Fotobüchern und Zeitungsartikeln kennt: James Dean in schwarzer Lederjacke und Bikerstiefeln auf seinem Motorrad, in weiten Hosen und offenem Jackett eine Straße entlanglaufend oder stilsicher bis zur Armbanduhr gekleidet bei Dreharbeiten – mit seinem für die damalige Zeit unkonventionellen Äußeren polarisierte er die Gesellschaft. Die junge Generation liebte seinen lässigen Stil, den Verzicht auf Hut und Krawatte, die Zigarette im Mundwinkel, in Feuilletons dagegen wurde er als »angezogen wie ein Penner« verunglimpft; Roy Schatts heute weltberühmten Porträts, in denen James Dean unrasiert in einem schwarzen Pullover posiert, wurden von der Illustrierten Life als »zu frech« abgelehnt. Veröffentlicht wurden dort wenig später die Aufnahmen des Magnum-Fotografen Dennis Stock, der den aufstrebenden Jungschauspieler zwei Wochen lang begleitet hatte. Dabei entstand unter anderem das Kultfoto von James Dean am verregneten Times Square, barhäuptig, die Schultern im schwarzen Mantel fröstelnd hochgezogen.

Dass die meisten dieser Fotos als Teil einer Imagekampagne entstanden, mit der Warner Brothers den »Jenseits von Eden«-Hauptdarsteller zum neuen Idol aufbauen wollte, störte dabei nicht. Zu gut passte der gut aussehende 23-Jährige in das Bild des aufbegehrenden Rebellen mit dem weichen Kern.

Auch auf den Fotografien im Kennedy-Museum posiert James Dean meist mit ernster Miene, entspannt lächelnd sieht man ihn nur auf ein, zwei Aufnahmen. Eine davon stammt aus dem Highschool-Jahrbuch von 1946: Hier trägt er Brille, Scheitel und Hemd mit Kragen und lächelt unsicher wie der verstörte Plato, sein Kleiner-Bruder-Ersatz in »denn sie wissen nicht, was sie tun«. Am 30. September 1955 starb James Dean bei einem Autounfall – seine Filme und sein unkonventionelles Auftreten aber sind bis heute unvergessen.

Bis zum 13.Februar, geöffnet tägl. 10-18 Uhr; Museum The Kennedys, Pariser Platz 4a, Mitte

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