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Schlüsselübergabe am Kudamm

Galeristen-Trio Rosendahl, Thöne & Westphal übernimmt die Hofgalerie von Peter Brusberg

  • Von Anita Wünschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Gang über den Hof ist mit Palmen geschmückt. Weiße Paravents begrenzen den Weg zur Kunst. Die Getränke stehen bereit. In wenigen Minuten eröffnet die erste Ausstellung der Galerie RT& W Rosendahl, Thöne & Westphal. Noch ist man nicht an den sperrigen Galeriennamen gewöhnt. An gleichem Ort hieß es zuvor Galerie Brusberg.

Der renommierte Berliner Galerist, seit 1982 hier tätig, hatte sich zum Jahresausklang mit einer letzten Werkschau von Vincent Wenzel verabschiedet. Er verlässt nach 28 Jahren seine angestammte Berliner Adresse, um sich in der Lyckallee, im Westend, dem Kunsthandel und ausgewählten Projekten zu widmen. Am dritten Januar wurden die Schlüssel übergeben. Eine neue Generation übernimmt: Es sind Petra Thöne und Udo Rosendahl aus Warburg, die als Kunstsammler (u.a. Gerhard Altenbourg) die Geschäfte führen und ihre Erfahrung nebst Sammlungsstücken (etwa Porträtmalerei aus Südafrika) einbringen werden. Zum Trio gehört noch Stefan Westphal, der gemeinsam mit Ruth Nietemeier vor Ort den Galeriebetrieb betreuen wird. Beide sind langjährige Mitarbeiter bei Brusberg gewesen.

»Ich bin ja quasi ein Brusberger«, sagt Stefan Westphal, der kurzzeitig auch eine eigene Galerie im Prenzlauer Berg betrieb. Er sei »elektrisiert« gewesen, als er mit Thomas Brusberg eine Giacometti-Ausstellung in Basel anlässlich der Messe besichtigte. Das war der »Initialfunke für die dauerhafte Beschäftigung mit Kunst«. Stefan Westphal führt durch die Eröffnungsausstellung, die hauptsächlich figürliche Arbeiten von zehn Künstlern zeigt.

Im ersten Raum hängt von Matthias Gálvez (1974) eine großformatige Leinwand »David und Goliath«. Drei ganz heutige Männer sind vom Künstler in grelles Licht und alttestamentarische Pose versetzt ebenso wie »Der Strolch« als Leidensfigur aus einem privaten Chaos heraus und mit Weißrippslip vornüber ins Bild kippt. Carsten Kaufhold (Jahrgang '67) malt Straßenecken in Graubeigealtrosa, Schatten und Licht, Sommeraugenblicke in der Stadt, wo selbst das Pflaster in Neukölln zu flirren beginnt und der Himmel in Kreuzberg verheißungsvoll südlich leuchtet. Es sind die lichten und sachlicher gefassten Stadtbildverwandten von Konrad Knebel. Straßenzüge zum beinahe Wiedererkennen. Stille Bilder voller innerer Spannung malt Albert Ricken (1970). Etwa »Frau mit Fahrrad«. Der Bildhauermaler arbeitet nach Fotografien und sucht der sekundenschnell erfassten Schönheit mit seinen Transformationen eine neue Aura zu verleihen. Die Reproduzierbarkeit des Bildes, das alte Thema, wird dabei einfach umgekehrt. Achim Riethmanns fragmenthaft wirkende Aquarelle widmen sich brisanten gesellschaftlichen Konflikten, derweil Sasha Hartslief bürgerliche Frauenfiguren in braunem Licht eine fragile Präsenz zur Schau stellen.

Da wird noch staubgesaugt, die letzten Sektgläser poliert. Der Grand Seigneur – Thomas Brusberg, fünfundsiebzig, kurzes graues Haar, kommt für einen Blick vorab. Er war wohl als symbolisches Schulterklopfen zu verstehen. Bis März kann man Einblick nehmen in den Szenenwechsel, der etliche Meisterschüler der Kunsthochschule Weißensee neben Kunst aus Südafrika vereint und sich ebenso ambitioniert wie etwas spröde zeigt. Weitergehen wird es mit Berliner Kunst, arrivierten wie jungen Positionen und dem Blick in die Welt.

Galerie RT&W »Szenenwechsel Teil I«, Rosendahl, Thöne & Westphal. Galerie und Kunsthandel, Kurfürstendamm 213, 10719 Berlin, Brusberg Berlin Nachfolge, Tel.: 882 76 82 Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr, Mo. nur nach Verabredung

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