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Nonnen auf den Pisten

Skilaufende Geistliche messen am 7. Februar im Piemont ihre Kräfte

Man nennt es die »Vatikanlawine« oder die »fluktuierende Abfahrt«. Gemeint ist ein Riesenslalom, der jedes Jahr in Limone in Norditalien ausgetragen wird und allein Priestern und anderen Mitgliedern des Klerus vorbehalten ist. Dieses Jahr – am 7. Februar – dürfen zum ersten Mal auch Nonnen daran teilnehmen.

Es muss im wahrsten Sinne des Wortes ein göttliches Bild sein, wenn um die 100 Priester und andere Kleriker sich auf die Piste begeben und untereinender die »Sursum corda« austragen. Dies ist der offizielle Name eines Skirennens – übersetzt heißt das »Erhebet die Herzen«, ein Ausspruch, der in der Lateinischen Messe vorkommt –, das seit einigen Jahren im Skiort Limone im Piemont nahe der französischen Grenze ausgerichtet wird. Die Idee kam Ende der 90er Jahre Don Romano Fiandra, ein skibegeisterter Priester der örtlichen Kirche San Pietro Apostolo.

Zuerst sollte es einfach ein nettes Beisammensein zwischen den Geistlichen der Gegend sei, bei dem man sich fernab der alltäglichen Probleme im Schnee vergnügen und einmal ungestört über alles reden konnte. Aber da hatte Don Romano wohl die Rechnung ohne seine Kollegen gemacht, die ihre Kräfte untereinander messen und auch gleich den besten Skifahrer küren wollten. »Zuerst sagen immer alle, es gehe ihnen überhaupt nicht um den Sieg und die Teilnahme sei alles – aber wenn sie dann meinen, dass man ihnen eine hundertstel Sekunde geklaut hat, dann werden sie richtig sauer«, meint der Geistliche mit einem Augenzwinkern.

Die Strecke wird von den Skilehrern der Gegend vorbereitet: ein relativ langer Riesenslalom, der den Teilnehmer schon beachtliches Können abverlangt. Mitmachen darf jeder und das Alter ist egal, aber für die Konkurrenten, die schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, gibt es ein paar Bonussekunden. »Am Anfang können sie auch ganz gut mithalten, aber bei der Hälfte der Strecke geht den Älteren dann meist die Puste aus«, sagt Don Romano.

Und damit auch alles seine sportliche Richtigkeit hat, gibt es entlang der Strecke professionelle Aufpasser, damit auch keiner der Teilnehmer klammheimlich ein Tor auslässt. Die Zeitmessungen werden inzwischen elektronisch vorgenommen – ganz wie es sich für eine ernsthafte Angelegenheit gehört. Schon nach wenigen Jahren war das Rennen keine rein lokale Angelegenheit mehr; inzwischen kommen die skiverrückten Priester aus allen Teilen Norditaliens und sogar aus Frankreich. Ob dieses Jahr allerdings tatsächlich auch Frauen an den Start gehen werden, ist ungewiss: »Wir haben sie eingeladen, aber meistens kneifen sie dann doch im letzten Moment, weil sie eine schlechte Figur fürchten, auch wenn wir für sie eine eigene Kategorie vorgesehen haben«, meint der Ausrichter.

Dass Geistliche mit dem Placet des Vatikans sportliche Wettstreite austragen, ist übrigens keine Neuheit. Seit einigen Jahren gibt es in Rom den »Clericus Cup«, ein Fußballturnier unter verschiedenen Priesterseminaren, von denen es in der Ewigen Stadt so viele gibt. Die Mannschaften heißen dann »Redemptoris Mater«, »Anglo-Celtic Colleges United« oder »North American Martyrs«. Allerdings gibt es da immer einen klaren Favoriten, nämlich die brasilianischen Priesteranwärter des »Collegio Brasiliano«. Das ist dann also wie im wirklichen Leben, wie bei den weltlichen Meisterschaften.

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