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Saisonale und politische Effekte

Arbeitslosigkeit im Januar deutlich gestiegen

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.
Trotz eines kräftigen Anstiegs gegenüber dem Dezember geben sich Arbeitsagentur und Politik optimistisch. Aber was sind ihre Zahlen wert? Ein Rechenexempel aus Mecklenburg-Vorpommern.

Es ist erst ein paar Monate her, dass die Arbeitsagenturen im Osten ihr 20-jähriges Jubiläum begingen. Meist fiel die Bilanz so positiv aus wie bei Jürgen Goecke. Der Chef der Agentur im Nordosten griff den September 2004 mit 178 000 Erwerbslosen im Land heraus und verglich sie mit dem September 2010: 96 000. Die Differenz, so Goecke damals, sei ein Ausweis des Erfolges.

Am Mittwoch war es nicht Goecke, sondern Friedhelm Siepe von der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, der die allerdings schlechteren Zahlen für Januar zu verkünden hatte: Nun sind es wieder knapp 128 000 Arbeitslose zwischen Elbe und Oder. Der Grund sei freilich »saisonal und nicht konjunkturell«, es gehe um Bau, Gartenbau und Tourismus. Die Arbeitslosigkeit werde im Laufe des Jahres auf 90 000 fallen. Sowohl die absolute Zahl als auch die Quote – 14,8 Prozent – sei der niedrigste Januarwert im Nordosten seit 20 Jahren.

Zur Bewertung gehört aber auch ein Blick in andere Statistiken: Allein 2009 haben knapp 40 000 Menschen das Land verlassen, auch Richtung Rente leert sich der Arbeitsmarkt – jeden Monat gehen im Nordosten derzeit etwa 1200 Senioren in den Ruhestand.

Nur vor diesem Hintergrund lässt sich die jüngste Meldung des Statistischen Amtes im Nordosten verstehen: Im Verlauf des Jahres 2010 sind – obwohl die Arbeitslosenstatistik zeitgleich gesunken ist – im Land unter dem Strich 1900 Arbeitsplätze verloren gegangen, die Zahl der Erwerbstätigen sank um 0,3 Prozent. Betroffen vom Beschäftigungsrückgang sind sowohl Landwirtschaft als auch Dienstleistungen sowie das produzierende Gewerbe. Mit diesem Rückgang der Beschäftigten-Gesamtzahl steht der Nordosten in Deutschland alleine da.

Zudem fürchtet der Arbeitslosenverband (ALV) ein weiteres Ansteigen der Langzeitarbeitslosigkeit – nicht nur im Nordosten – wegen der Milliarden-Streichungen der Bundesregierung bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Wegfallen sollen im Land insgesamt 18 000 Ein-Euro-Jobs, seit Oktober seien es bereits 8500 weniger, sagt der ALV-Landesvorsitzende Jörg Böhm. Vom Januar-Anstieg um 17 000 Arbeitslose gegenüber dem Dezember seien 5200 auf den Berliner Rotstift zurückzuführen.

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