Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Auf dem Weg zum Islamunterricht

Zahl der Modellprojekte in den Ländern wächst

  • Von Barbara Schneider, epd
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland rückt näher. Kaum ein Bundesland, das nicht im Schulversuch eine Unterrichtsform erprobt oder darüber nachdenkt. In Bayern, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz etwa laufen Modellprojekte, Niedersachsen hat die Einführung als ordentliches Lehrfach bis 2014 schon angekündigt. Am 13/14. Februar veranstaltet die Deutsche Islamkonferenz in Nürnberg eine Konferenz zum Thema.

Frankfurt am Main. Prinzipiell gilt: Der Religionsunterricht in Deutschland ist Ländersache und wird daher von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. Das Angebot reicht von Islamkunde, bei der vom Staat die Inhalte bestimmt werden, bis hin zum Bekenntnisunterricht. Je nach Bundesland sind dabei etwa Aleviten, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt der Religion (DITIB) oder örtliche Moscheevereine an der Ausgestaltung beteiligt.

Flächendeckend und somit als Option für alle muslimischen Schüler gibt es den Unterricht aber noch nicht. In Nordrhein-Westfalen nehmen nur 10 500 von insgesamt 310 000 muslimischen Schülern am Islamkundeunterricht teil, in Niedersachsen erreicht ein Modellversuch an 42 Grundschulen derzeit 2000 Schüler. In Hessen gibt es alevitischen Religionsunterricht an vier Grundschulen.

Frage des guten Willens

Die gesetzliche Grundlage sieht wie folgt aus: Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist in Deutschland als ordentliches Lehrfach im Grundgesetz (Artikel 7 Absatz 3) verankert und soll in »konfessioneller Gebundenheit« unterrichtet werden. Anders als in der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland gibt es allerdings im Islam keine klar umrissene Autorität, die für alle Muslime sprechen kann.

Neben »ungeklärten Fragen hinsichtlich seiner Verfassungs- und Rechtstreue« sei daher vor allem die Organisationsstruktur des Islam ein Problem, benannte der Jurist Christian Waldhoff in einem Gutachten zum 68. Deutschen Juristentag die Schwierigkeit. Was soviel heißt wie: Es fehlt ein Ansprechpartner seitens der Muslime, der verbindlich über die Grundsätze der Religionsgemeinschaft Auskunft geben kann.

Demgegenüber hat bereits 2005 das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass auch Dachverbände die Voraussetzung für Religionsgemeinschaften erfüllen können, wenn Gläubige auf lokaler Ebene die unentbehrliche Grundlage bildeten. »Mit gutem Willen lässt sich eine Lösung finden«, sagt der Münsteraner Jurist Janbernd Oebbecke. Er verweist auf Niedersachsen, wo sich Anfang dieses Jahres der Landesverband Schura und die DITIB darauf verständigt haben, einen gemeinsamen Beirat als Ansprechpartner zu bilden.

Konkurrenz der Verbände

Oebbecke sieht vor allem die negative Haltung gegenüber dem Islam in der Gesellschaft als Hindernis. »Das Problem liegt darin, dass die Politik wegen der Stimmung in der Gesellschaft große Probleme mit der Einführung hat«, sagt er und ergänzt: Hinzu komme die mangelnde Kooperationsbereitschaft beziehungsweise Konkurrenz der muslimischen Verbände untereinander.

Der Professor für Islamische Religionspädagogik, Bülent Ucar, der in Osnabrück islamische Religionslehrer ausbildet, sieht vor allem im Modellcharakter des islamischen Religionsunterrichts ein Problem. Die langfristige Perspektive für die Studenten fehle, sagt er.

In Osnabrück werden seit 2007 islamische Religionslehrer ausgebildet, schon ein paar Jahre länger bestehen in Erlangen und Münster entsprechende Studiengänge. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung derzeit den Ausbau von Zentren für Islamische Studien für Forschung sowie Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern und Religionslehrern. Als erste Standorte hatte der Bund hierfür im vergangenen Jahr Münster/Osnabrück und Tübingen ausgewählt.

Zwischen 947 000 und 1 088 000 muslimische Schüler leben nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Deutschland. Darunter sind zwischen 105 000 und 121 000 alevitische Schüler.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln