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»Da sieht man, was aus einem werden kann«

Traditionelles Wahlkampfrezept: Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenmann Jens Bullerjahn kocht und plaudert mit CDU-Granden

  • Von Hendrik Lasch, Ahlsdorf
  • Lesedauer: 3 Min.

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In sechs Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Formal hält die SPD die Koalitionsfrage offen. Die Bilder, die Spitzenkandidat Jens Bullerjahn produziert, sprechen eine andere Sprache: Zu Kochduell und Plauderrunde trifft er die CDU-Spitzen.

Um sieben lässt es der Ziegelröder Spielmannszug 1886 e.V. so richtig krachen. Der Saal im Ahlsdorfer Kulturhaus ist restlos gefüllt, auf den Tischen türmen sich Fettbemmen, und Erbsensuppe ist verteilt. Der Neujahrsempfang der SPD im Mansfeld beginnt. Die Tambourmajorin reckt den Stab in die Luft, dann schmettern Flöten und Trommeln: eine Version des Hardrock-Klassikers »The final countdown«.

Das Stück hätte passender kaum gewählt werden können, denn in Sachsen-Anhalt wird rückwärts gezählt: Exakt sechs Wochen waren es gestern noch bis zur Wahl am 20. März. Am Freitag hat der Landtag die letzte Sitzung absolviert, nun beginnt der Aufgalopp zur Wahl des nächsten. Ab jetzt herrscht Wahlkampf, was nicht nur heißt, dass um die Hoheit an Laternenmasten und auf Marktplätzen gerungen wird, sondern auch, dass jedes Wort der Spitzenkandidaten auf die Waage gelegt und jedes Bild, das sie liefern, auf Botschaften geprüft wird.

Die Botschaften, die Jens Bullerjahn sendet, könnten deutlicher kaum sein – auch an diesem Abend in Ahlsdorf. Der 49-jährige Ingenieur, der im benachbarten Ziegelrode lebt und im Mansfeld 1989 zur SPD kam, ist hier quasi Gastgeber. Als solcher lädt er seit Jahren prominente Gesprächspartner zum Plausch. Zuletzt kam Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, und mit Sigmar Gabriel, Matthias Platzeck sowie Franz Müntefering waren gleich drei zeitweilige SPD-Chefs schon im Mansfeld. Diesmal aber lud Bullerjahn keinen Genossen ein, sondern Wolfgang Böhmer, Noch-Regierungschef und bekanntestes Gesicht der CDU im Land.

Auch wenn Bullerjahn betont, es handle sich um eine »persönliche Geste«, und Böhmer beteuert, er sei vor allem wegen der Fettbemmen zum zweiten Mal nach 2004 angereist: Die Einladung hat Kalkül. Bullerjahn, seit fünf Jahren Finanzminister und Böhmers Vize, will sich als dessen legitimer Erbe präsentieren – und als zuverlässiger Partner der CDU.

Die gemeinsame Arbeit »trägt Früchte und muss weitergeführt werden«, sagt der Sozialdemokrat. Lange vergangen die Zeiten, da Bullerjahn zu den Protagonisten des Magdeburger Modells gehörte und mit Wulf Gallert, seinem heutigen Gegenspieler von der LINKEN, rot-rote Strippen zog. Vorbei seit dem Wahlabend 2002, den Bullerjahn als Tiefpunkt seiner Karriere nennt: »Verlieren sie mal auf einen Hieb 16 Prozent!«

Der Mut zu Experimenten hat die Landes-SPD damals wohl verlassen. Einen Regierungschef der LINKEN werde man nicht wählen, heißt es, was angesichts des Abstands in Umfragen – die SPD liegt konstant sechs bis neun Prozent zurück, faktisch eine Absage an Rot-Rot ist.

Lieber trifft sich Bullerjahn mit CDU-Kontrahent und Wirtschaftsminister Reiner Haseloff zum Kochduell, wo er Mansfelder Schwarzbierfleisch köchelt. Den 75-jährigen Böhmer lädt er ins Kulturhaus zum Plausch. Dass es dabei äußerst locker zugeht, ist persönlicher Sympathie geschuldet: »Professor Böhmer wird mir fehlen als Mensch«, sagt Bullerjahn über seinen künftigen Ex-Chef. Die politische Botschaft freilich ist ebenso klar. Der Mann, der als Landesvater aus dem Amt scheidet, sei einst auch mal Finanzminister gewesen, betont Bullerjahn: »Da sieht man, was aus einem werden kann.«

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