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EU bremst Hilfe für Fischer

Heringsmanagementplan im Nordosten scheitert an Stilllegungsforderungen

Sassnitz/Schwerin (dpa/ND). Noch immer treiben Eisfelder in den Heringsfanggebieten vor Mecklenburg-Vorpommern und zwingen die Küstenfischer zum Nichtstun. Aber nicht nur deshalb ist die Stimmung unter den rund 300 Berufsfischern im Land eisig. Nach der neuerlichen Reduzierung der Heringsfangmenge um 30 Prozent durch die EU können die Fischer nicht – wie im vorigen Jahr – auf einen finanziellen Ausgleich rechnen.

Ein vom Land initiierter Heringsmanagementplan, mit dem den Fischern für die Zeit der Quotenabsenkungen staatliche Zuschüsse in Aussicht gestellt wurden, ist gescheitert. Wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Montag auf dpa-Anfrage mitteilte, stellte die EU-Kommission Bedingungen. Demnach hätte sie den Ausgleichszahlungen für vorübergehenden Kutter-Stilllegungen nur zugestimmt, wenn im Anschluss 70 Prozent der Heringsfischer die Fischerei für immer aufgegeben hätten. Eine solche Forderung sei nicht verständlich. »Sie wird auch von den Fischern nicht als Alternative akzeptiert«, ließ Backhaus wissen.

Mit der freiwilligen Stilllegung eines Teils der Flotte, befristetet auf maximal drei Jahre, sollten die geschwächten Heringsbestände in der Ostsee zusätzlich geschont werden. Im Gegenzug hatten sich die Fischer dafür finanzielle Hilfen von der EU erhofft. »Wir wissen nicht, wie es jetzt weitergeht«, sagte Michael Schütt, Vize-Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer und Chef der Freester Fischereigenossenschaft. Deren Quote sank von 3140 Tonnen im Jahr 2008 auf aktuell knapp 1100 Tonnen. Im vorigen Jahr hatte das Land mit einem eine Million Euro schweren Fonds den Heringsfischern unter die Arme gegriffen – rund 600 000 Euro wurden ausgezahlt. Da das Geld aus dem Sondervermögen stammte, sei eine Übertragung der Restsumme auf dieses Jahr schwierig, hieß es. »Wir glauben nicht daran, dass die Mittel übertragen werden«, sagte Schütt.

Die Krise in der Heringsfischerei ist inzwischen auch im Euro Baltic-Fischwerk in Sassnitz zu spüren. Zwar läuft dort derzeit die Verarbeitung von Nord- und Ostseehering auf Hochtouren. Doch in den vergangenen Jahren gingen analog zu den Fangmengenreduzierungen auch die Verarbeitungsmengen zurück. Wurden 2009 rund 51 000 Tonnen Hering verarbeitet, waren es 2010 nur noch 43 000 Tonnen. »Das Ganze ist ein Quotenproblem«, sagte Geschäftsführer Uwe Richter. Das Werk gehört der niederländischen Parlevliet& van der Plas-Gruppe, die nun den hiesigen Küstenfischern Hilfe anbietet.

Danach, so Richter, habe die zum Konzern gehörende Doggerbank-Reederei knapp 1000 Tonnen Ostseequote von anderen Unternehmen gegen die eigene Nordseequote getauscht. Diese Fangmenge solle nun an die Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern weitergegeben werden. »Wir sind daran interessiert, auch künftig hochwertigen Ostseehering zu verarbeiten«, begründete Richter die Hilfe für die Fischer.

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