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Gegen »Vorurteile ohne Ende«

Senatorin Bluhm informierte sich im Anne Frank Zentrum über Kampf gegen neuen Rassismus

Carola Bluhm im Gespräch mit dem Direktor des Anne Frank Zentrums, Thomas Heppener
Carola Bluhm im Gespräch mit dem Direktor des Anne Frank Zentrums, Thomas Heppener

»Dies ist ein authentischer Ort.« So äußerte sich die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Carola Bluhm (LINKE) gestern im Anne Frank Zentrum. Tatsächlich ist dessen Lage eine besondere. Wer unweit der Hackeschen Höfe in den Hinterhof der Rosenthaler Straße 39 kommt, findet statt einer Nobelfassade bröckelnden Verputz.

Ausschnitt aus der Dauerausstellung
Ausschnitt aus der Dauerausstellung

In den Ausstellungsräumen des Zentrums informierte sich Carola Bluhm gestern über den Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus. Sie sprach mit dem Direktor des Zentrums, Thomas Heppener, dem Integrations- und Migrationsbeauftragten des Senats, Günter Piening, und Roland Roth vom Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI).

Senatorin Bluhm verwies auf die Besonderheit Berlins. Der Nazismus gehöre zur Stadtgeschichte, um so mehr gelte es seine heutige Weltoffenheit zu verteidigen. Das ist auch das Ziel des Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. »Demokratie. Vielfalt. Respekt. In Berlin.«, lautet das Motto der Kampagne.

Um dies zu vermitteln wendet sich das Anne Frank Zentrum vor allem an Jugendliche. Ziel ist nach Direktor Heppener »Differenzierungskompetenz«. Alleine 2010 hatten 9500 Schulkinder an Programmen des Zentrums teilgenommen. Angeregt durch die Erfahrungen von Anne Frank mit Ausgrenzung sollen Jugendliche erfahren, dass »der religiöse und kulturelle Hintergrund nur eine Facette der Identität« sei. In Videoberichten von Berliner Kiez-Kids wird der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung plastisch.

Entgegen der verbreiteten Meinung, rassistische Stereotypen herrschten am gesellschaftlichen Rand vor, verhalte es sich laut Bluhm so: »Wir haben es in allen Bevölkerungsschichten mit Antisemitismus zu tun.« Man müsse die »Projektionen der Mehrheitsgesellschaft in Frage stellen«. Vorurteile erhielten sich gerade dort, wo sie unbearbeitet blieben.

Das ist auch die Erfahrung der Anwesenden. So berichtet Patrick Siegele vom Anne Frank Zentrum vom Stadtrundgang »Auf den Spuren jüdischen Lebens«, den die Bildungsbürger lieben. Gerade hier fänden sich »Vorurteile ohne Ende.« Darum will sich das Zentrum der Mitte der Gesellschaft zuwenden. Zwar sei das Landesprogramm mit jährlich 2,3 Millionen Euro ein »sicheres finanzielles Feld«, so Bluhm. Mit der Durchsetzung einer Extremismusklausel, könnten es aber 250 000 Euro weniger sein – diese bezieht Berlin an Bundesmitteln. Die Anti-Extremismus-Erklärung, gegen die sich Berlin wehren will, schaffe »eine Atmosphäre des Misstrauens«, betonte Bluhm. Zudem sei man mit weniger Geld »nicht entwicklungsfähig.«

Das Anne-Frank-Zentrum war 2002 in die Rosenthaler Straße gezogen – vorher lagen die Räume nahe der Neuen Synagoge. Doch auch hier passt es ins Ensemble. Hier befindet sich auch das Museum Blindenwerkstatt. Dort versteckte der Fabrikant Otto Weidt im Zweiten Weltkrieg mehrere Juden. Wie das Amsterdamer Wohnhaus, in dem sich die Familie Frank bis zur Verhaftung 1944 verbarg, blieb auch dieses Versteck erhalten.

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