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Reis in den Händen der Mafia

Philippinischer Präsident will Korruption bekämpfen

  • Von Michael Lenz, Manila
  • Lesedauer: 2 Min.
Der philippinische Präsident Benigno Aquino hatte bei seiner Antrittsrede vor einem halben Jahr den Kampf gegen Korruption als eines seiner Hauptthemen genannt. Jetzt lässt er die Alarmglocken in einem besonders schmierigen Korruptionsfall schrillen: bei der Reisversorgung.

Die Philippinen sind der größte Reisimporteur der Welt. Jeder Cent Preiserhöhung auf dem Weltmarkt schlägt unmittelbar auf den Reispreis auf den Märkten der Slums von Manila durch. Präsident Benigno Aquino hat nun angeprangert, dass philippinische Einkäufer zur Deckung des Fehlbedarfs in den vergangenen Jahren nicht nur doppelt so viel Reis von den Hauptexporteuren Thailand und Vietnam gekauft hätten als nötig gewesen wäre. Schon durch die große Nachfrage hätten sie den Preis nach oben getrieben, aber auch durch dubiose Bietermethoden. Er habe den Eindruck, sagte Aquino, dass nur »eine Person« oder eine »Gruppe von Personen« von diesen Importen profitiert habe. Unter Verweis auf laufende Ermittlungen nannte der Staatschef jedoch keine Namen. Philippinische Medien wiesen indes auf zehn Kooperativen als Verdächtige hin, die lediglich auf dem Papier existierten und hinter denen »nur ein Finanzier« stehe.

Die Grundlagen für die »Reismafia« hat Aquinos Amtsvorgängerin Gloria Arroyo gelegt, die in ihrer neunjährigen Regierungszeit immer wieder heftigen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt war. Unter der Ägide Arroyos hatte man aufgehört, die Reisversorgung durch direkte Verträge mit anderen Regierungen sicherzustellen. Stattdessen traten die Philippinen als Bieter bei Auktionen auf. Allein im Jahr 2010 wurden zwei Millionen statt der benötigten Million Tonnen Reis zu überteuerten Preisen eingekauft. Der Überschuss landete in Lagerhäusern, wo er teilweise verrottete.

So sehr die Öffentlichkeit Aquinos Entschlossenheit, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, schätzt, so sehr ist sie aber auch enttäuscht, dass der Präsident noch nicht Ross und Reiter benannt hat. »Die Regierung muss umgehend die tatsächliche Situation der Reisversorgung offenlegen«, forderte Anton Pascual, Direktor von Caritas Manila. Als das Grundnahrungsmittel der Filipinos sei Reis sei letztlich »eine politische Ware«. Es sei ein Witz, so Pascual weiter, dass ein stark landwirtschaftlich geprägtes Land wie die Philippinen unter chronischer Reisknappheit leide. Man müsse wieder zum Selbstversorger bei Reis werden.

Die Knappheit ist einer Gemengelage von Ursachen geschuldet. Neben der Korruption ist es auch die rapide sinkende Bereitschaft junger Filipinos zur harten Arbeit auf den Reisfeldern. Zudem fallen die Ernten immer wieder Wetterextremen zum Opfer, deren Zahl und Stärke durch den Klimawandel noch zunimmt. 2010 verursachte erst das Klimaphänomen El Niño in Landesteilen eine Dürre, dann brachen Taifune über den Inselstaat im Pazifik herein. Alleine durch den Wirbelsturm »Megi« im Oktober wurde mehr als eine halbe Million Tonnen Reis vernichtet. Trotzdem ist die Nahrungsmittelbehörde zuversichtlich, in diesem Jahr die Reisimporte zurückfahren zu können. Dank der hohen Lagerbestände.

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