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Georg Maurer

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.
Das Foto entstammt dem bezwingend analytischen Buch »Klassen-Bilder. Sozialdokumentarische Fotografie 1945 bis 2000« von ND-Autor Rudolf Stumberger (UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz, 312 S., brosch., 34 Euro).
Das Foto entstammt dem bezwingend analytischen Buch »Klassen-Bilder. Sozialdokumentarische Fotografie 1945 bis 2000« von ND-Autor Rudolf Stumberger (UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz, 312 S., brosch., 34 Euro).

Arbeit ist die große Selbstbegegnung des Menschen.

Wüßte er sonst, wer er ist?

Sammelt er das Wasser am Staudamm,

so sammelt er sich.

Läßt er sich gehen,

so ist er nur Wasser, das verrinnt.

Facht er das Feuer an im gemauerten Ofen,

so ist er es, der wärmt.

Wütet er, ist er nur Feuer,

das Städte und Länder frißt.

Geht er nicht die Bahnen der Sterne,

bleibt er das grasende Vieh.

Fühlt er nicht die Sehnsucht der Menschheit,

ist er der Stein, der erschlägt.

Das Gedicht von Georg Maurer lesen: mitreißendes Pathos der ungebrochen gut gefühlten ARBEIT. Die das Leben nicht bestimmt, sondern Leben – ist. Und jetzt vom Gedicht hin zu jenem zermürbten Arbeiter sehen, ein Foto von Carl Hargesheimer, 1958 – eine große Leere hat den Menschen überkommen, Arbeit als der allwaltende Schinder. Entfremdung statt Selbstnähe.

Und die Frau am Computer? Arbeitsgesellschaft heute, das Bild enstand ein halbes Jahrhundert nach dem Foto aus dem Ruhrgebiet. Eine glücklich Erschöpfte oder eine unglücklich Überforderte? Eine beseelt Treibende oder eine Getriebene, deren Gesicht sich eine letzte Schutzspur Gelöstheit in den Schlaf rettet?

Hört man sich gegenwärtig um, wird sehr oft in bitteren Tönen von Arbeit gesprochen: Luxusgut, Erpressungsstoff, notwendiges Übel, Mittel zum Geldzwecke, eher Last als Lust. Wer in Arbeit noch aufgeht, scheint zu den so selten gewordenen Besonnten zu gehören. Die großen Ziele der Werk-Tätigkeit aber und ihr wunderbar pochender Sinn, das, wovon der DDR-Dichter Maurer schrieb: überholt, verdorben, illusionär geworden?

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