Ägypten wird schon lange umgebaut

Der Aufbau einer Zivilgesellschaft muss im Land am Nil nicht bei Null beginnen

  • Von Hartmut Kiehling
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Dr. Hartmut Kiehling war 2005 bis 2007 Professor an der German University of Cairo. Er ist Autor eines Buches über die Entwicklung in den arabischen Ländern.

Am Anfang war der Blog. Als die vom ägyptischen Google-Manager Wael Ghonim gegründete Facebook-Gruppe den 25. Januar zum »Tag der Wut« darüber ausrief, dass die Polizei im letzten Sommer einen Blogger zu Tode geprügelt hatte, kamen Zehntausende. Kein Wunder, die Gruppe »Wir sind alle Khaled Said« hatte bereits 480 000 Anhänger und mindestens 30 Prozent der Ägypter haben Zugang zum Internet. Das klingt nach einer modernen Gesellschaft, und es fragt sich, warum der Westen so lange auf ein diktatorisches Regime gesetzt hat. Weil Ägypten seit 40 Jahren pro-westlich ist? Weil andernfalls die Muslimbrüder drohen? Oder ist das Land doch noch nicht reif für die Demokratie?

Stabil und monolithisch sind bzw. waren in Ägypten wichtige regimenahe Institutionen wie Geheimdienst, Polizei und Regierungspartei. Hinzu kommen etliche große Unternehmen mit steilen Hierarchien und einem Heer eigener Spitzel. Die Armee ist zwar ähnlich strukturiert, will ab...

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