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Von Dukes und Dudes

Jedes Jahr das selbe Bild. Im Pressekonferenzen-Saal des Hyatt-Hotels stauen sich die Journalisten. Man vertreibt sich die Wartezeit mit mehr oder minder fachkundigen Kommentaren über das soeben gesichtete Werk (»Also ich musste fast weinen, als das Pferd getötet wurde.«). und Festival-Klatsch. Neu im Saal ist eine kleine Wand mit Weltzeituhren, die anzeigen, wie spät es in Los Angeles, Buenos Aires oder Tokio gerade ist. Aha, die Japaner schlafen also schon, während die Schreiberlinge der Stars harren. Oder sollen die Jetlag-geplagten Podiumsgäste nicht die Tuchfühlung zu ihrer heimatlichen Zeitzone verlieren?

Ein wartender kroatischer Kollege tippt routiniert seine Kolumne ins Netbook, ein türkischer Berufsgenosse zeigt dagegen hektisch auf seine Armbanduhr. In der Reihe dahinter befinden zwei Damen, dass Diane Krüger ja eigentlich keine richtige Schauspielerin sei, ihr Outfit dagegen immer tiptop.

Der Saal ist deshalb rappelvoll, weil sich zu diesem ersten Berlinale-Presse-Stelldichein 2011 hoher Besuch aus Hollywood angekündigt hat. Und mit ›nur‹ einer halben Stunde Verspätung erscheinen sie dann auch: keine Geringeren als die Coen-Brüder, mit dem unglaublich coolen Jeff Bridges im Schlepptau.

Der 61-jährige Hollywood-Veteran spielt die Hauptrolle im neuen Coen-Filmstreich »True Grit« und stellt anders als im Film keine schmierige, sondern eine gepflegte grau melierte Haarpracht zur Schau. Dazu Bart, einen gebräunten Teint und gute Laune. Applaus für den Virtuosen ebenso wie für das begnadete Regisseurs-Bruderpaar, dessen natürliche Lässigkeit keine Journalistenfrage trüben kann.

Wegen allgemeiner Zufriedenheit unter der schreibenden Zunft fallen die Fragen sehr freundlich aus. Die Antworten kreisen um die Schwierigkeit von Literaturadaptionen und den schwindenden Bekanntheitsgrad der US-Ikone John Wayne, mit dem der erste »True Grit«-Western vor 40 Jahren verfilmt wurde.

Hailee Steinfeld, die wunderbare 13-jährige Hauptdarstellerin des jetzigen Films, kannte den »Duke« folgerichtig überhaupt nicht. Und dass ihr Matt Damon in dem Film den Hintern versohlt hat, nahm sie sportlich. Sie lobte ihre männlichen Kollegen, unter anderem Bridges, dem seit seiner Rolle als bekifftem »Dude« in der ebenfalls von den Coens inszenierten Komödie »The Big Lebowski« (1998) Kultstatus anhaftet. So verriet Jeff »The Dude« Bridges denn auch Hailees Nebenverdienst beim Dreh. In ihre »Fluch-Tasse« musste jeder männliche Kollege je fünf Dollar für den Gebrauch eines unflätigen Wortes einzahlen.

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