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Weber 2.0

Jens Weidmann / Merkels Wirtschaftsberater soll neuer Bundesbankchef werden

Jens Weidmanns Schreibtisch im Bundeskanzleramt blieb am Mittwoch bereits leer. Der bisherige Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung wird am 1. Mai neuer Chef der Bundesbank, wie die Bundesregierung bekanntgab. Die Stelle ist vakant geworden, da Axel Weber seinen Posten räumt.

Mit dem Personalienwechsel ist bei der Bundesbank aber keine Auffrischung der geldpolitischen Ausrichtung verbunden. Wie sein Vorgänger setzt Weidmann auf bloße Inflationsbekämpfung. Das ist kein Zufall: Der heute 42-Jährige studierte bei Weber, als dieser Professor an der Universität Bonn war. Sein Mentor empfahl den parteilosen Volkswirt auch Angela Merkel, die 2006 den Abteilungsleiter bei der Bundesbank zu ihrem Wirtschaftsberater machte. Später fungierte Weidmann auch als »Sherpa« der Kanzlerin bei den G8- und G20-Gipfeln.

Der breiten Öffentlichkeit blieb er unbekannt. Er ist ein Macher, der hinter den Kulissen die Strippen zieht. »Meine Aufgabe ist es allein, die Themen so aufzuarbeiten, dass sie eine Entscheidungsgrundlage hat«, sagte er in einem seiner raren öffentlichen Statements. Was eine Untertreibung ist: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als die Regierung in eine Schockstarre verfiel, übernahm er gemeinsam mit Weber und seinem Duzfreund Jörg Asmussen – der damalige SPD-Finanzstaatssekretär ist ebenfalls ein Weber-Schüler – quasi die Regierungsgeschäfte: In Nachtverhandlungen stellten die drei die für die Banken vorteilhaften Rettungsprogramme auf die Beine. Und als Geschäftsführer der Wirtschaftsweisen (2000-2003) war Weidmann Mitautor eines Positionspapieres, das die Hartz-Reformen und die Schaffung eines Niedriglohnsektors mit vorbereitete.

Was den gebürtigen Solinger aus Regierungssicht besonders für den neuen Job qualifiziert: Er ist Hardliner wie Weber, aber anders als dieser uneitel und akzeptiert die politischen Gepflogenheiten. Weber kritisierte öffentlich die zunehmend pragmatische Geldpolitik der EU-Zentralbank (EZB). Sein Nachfolger wird dagegen im EZB-Rat, dem der Bundesbank-Chef angehört, hartnäckig für die auch von Merkel geforderte Beendigung des Aufkaufs von Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten kämpfen. Es wäre gelacht, wenn ihm nicht aus das gelänge.

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