Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Atomzug rollt durch den Osten

Fünf Castorbehälter auf dem Weg nach Lubmin – Ankunft heute Morgen erwartet

  • Von Michael Scheuermann und Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.
In den frühen Morgenstunden wird der Castortransport in Lubmin erwartet. Auf seinem Weg durch Deutschland begegnete er vielerorts Protesten. Ernsthafte Zwischenfälle und allzu lange Verzögerungen aber blieben nach dem verspäteten Start in Karlsruhe bis zum Abend aus.

In den frühen Morgenstunden soll er im Zwischenlager Nord bei Lubmin (ZLN) ankommen – doch am Donnerstagnachmittag war der Castor noch in Thüringen. Gegen 13 Uhr passierte der Zug, der vorne und hinten mit jeweils zwei Lokomotiven bespannt ist und neben den fünf Castorwaggons noch 14 Wagen für Begleitpersonal mit sich führen soll, das hessische Bad Hersfeld, gegen 14 Uhr fuhr er durch Eisenach und gegen 15 Uhr durch Erfurt.

Während der Zug gegen 15.30 Uhr durch Oßmannstedt rollte, begannen sich an der Strecke zwischen Wittstock/Dosse und Rostock bereits Polizeieinheiten zusammenzuziehen – ein Hinweis auf die weitere Route. Vor Redaktionsschluss war der Zug bei Schkopau/Ammendorf für mehr als eine Stunde von zwei Kletterern der Umweltorganisation Robin Wood aufgehalten worden. Sie hatten sich von den Bahngleisen auf einer Brücke abgeseilt.

Spätestens seit Atomkraftgegner bei Transporten den ständig und von Augenzeugen aktualisierten »Castor-Ticker« ins Internet stellen, sind Atommülltransporte in Deutschland eine öffentliche Angelegenheit. Auch an diesem Mittwoch ließ sich die Fahrt des Zuges auf diese Weise miterleben, die bis auf die Robin Wood-Aktion weitgehend störungsfrei verlief: Nachdem der Zug in den frühen Morgenstunden Karlsruhe nach einer Blockade von mehreren hundert Demonstranten verlassen hatte, fuhr er ohne größere Verzögerungen über Pforzheim, Heilbronn, Würzburg und Bad Hersfeld in die neuen Bundesländer. Gegen 13.30 Uhr kam es in der Nähe von Bebra zu einer Blockade, die Demonstranten wurden jedoch abgedrängt und der Zug fuhr vorbei. Etwa eine Stunde später erreichten ein Dutzend Protestierer bei Leina vor Gotha einen fünfminütigen Halt des Zugs, bis sie in Gewahrsam genommen wurden. Gegen vier der in Karlsruhe in Gewahrsam genommenen Demonstranten will die Polizei wegen Nötigung Anzeige erstatten.

»Wenn es nicht noch große Blockaden gibt«, erwarteten die Beobachter in der Greifswalder »Presselounge« der Atomkraftgegner am gestrigen Nachmittag eine tatsächlich pünktliche Ankunft des Zuges im Nordosten – heute bereits ab 4.30 Uhr. Viele Demonstranten in Greifswald zeigten sich gestern entschlossen, tatsächlich an den Mahnwachen zu übernachten. Die Organisationen Greepeace und Robin Wood, die im Dezember den Transport mit spektakulären Aktionen aufgehalten hatten, zeigten in Greifswald schon in den vergangenen Tagen viel Präsenz.

Nach der Einlagerung der fünf Castorbehälter aus dem aktuellen Transport sind im Zwischenlager noch sechs von insgesamt 80 Stellplätzen frei – ausreichend Platz für einen weiteren Transport in gleicher Größenordnung. Im Dezember hatte eine Sprecherin der bundeseigenen Betreiberfirma Energiewerke Nord (EWN) allerdings betont, es gebe keine hochradioaktiven Stoffe mehr, für deren Lagerung der Bund zuständig sei.

Nach Angaben des BUND-Atomexperten Harry Block, der die Anlage in Karlsruhe seit Jahrzehnten beobachtet, beinhalten die 60 000 Liter »Atomsuppe«, die in verfestigter Form nun in Glaskokillen an die Ostsee kommen, gelöste hochradioaktive Rückstände »aus allen Atomkraftwerken in Baden-Württemberg«. In Karlsruhe seien u.a. demontierte, hochbelastete Teile aus diesen AKW mit Säure behandelt worden – die Restbrühe ist u.a. mit fast 16 Kilogramm Plutonium und einer halben Tonne Uran versetzt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln