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Ein Leben für den Sport

ND im Club: Radfahrlegende »Täve« Schur stellte seine Autobiografie vor

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Der Radrennfahrer Gustav-Adolf »Täve« Schur gehörte zu den beliebtesten Athleten in der DDR. Nun hat der bald 80-Jährige eine Autobiografie über sein bewegtes Leben zwischen Sport und Politik verfasst.
Show-Einlage zum Auftakt der Buchpräsentation im ND-Gebäude: Autobiograf und Radsportlegende Gustav-Adolf »Täve« Schur fährt mit einem Rennrad in den Münzenbergsaal.
Show-Einlage zum Auftakt der Buchpräsentation im ND-Gebäude: Autobiograf und Radsportlegende Gustav-Adolf »Täve« Schur fährt mit einem Rennrad in den Münzenbergsaal.

»Täve« fährt im Blitzlichtgewitter der Kameras auf einem Rennrad zwischen jubelnden Fans die letzten Meter bis zum Ziel. Eine Szene aus längst vergangenen Tagen, könnte man meinen. Doch weit gefehlt, denn am Mittwochabend schwingt sich die DDR-Radsportlegende im Gebäude von »Neues Deutschland« auf ein Fahrrad und radelt durch den brechend vollen Münzenbergsaal. Die Show-Einlage ist der Auftakt zur Vorstellung seiner Autobiografie.

Auch 47 Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn genießt der Amateur-Weltmeister und zweifache Friedensfahrt-Sieger immer noch eine große Popularität. Seine Erfolge in den 50er und 60er Jahren sind bei vielen Zeitgenossen unvergessen. Zudem gibt sich Schur bescheiden und bodenständig – das kommt bei den Menschen an. »Ich verneige mich vor den Leistungen derer, die durch ihre harte Arbeit zur Finanzierung des Radsports in der DDR beigetragen haben«, ruft er dem Publikum zu.

Schur hat viel erlebt und entsprechend viel zu erzählen. Sein bewegtes Leben hat er nun in einem Buch zusammengefasst. »Täve – Die Autobiografie« ist eine 288 Seiten starke, überarbeitete Neuauflage des im Jahr 2001 erschienenen Werks »Täve – Gustav Adolf Schur erzählt sein Leben«. Es wurde mit einem neuen Vorwort und durch zahlreiche Anekdoten ergänzt.

Den Leser erwartet nicht nur leichte Kost. Denn die Jugendzeit des in Heyrothsberge bei Magdeburg geborenen Schur war geprägt von den Schrecken des Krieges und dem Neuanfang im sozialistischen Teil Deutschlands. Außenpolitisch sollten in der Nachkriegszeit die Beziehungen zu den östlichen Nachbarstaaten verbessert werden. Ein Meilenstein in diesem Prozess war die Teilnahme der DDR an der 1948 begründeten Internationalen Friedensfahrt. Die Rennstrecke verlief zunächst zwischen Warschau und Prag, ab 1952 auch nach Berlin. In dieser Zeit entwickelte sich die Friedensfahrt zu einem sportlichen Großereignis in Ostmitteleuropa, das Schur als erster DDR-Fahrer überhaupt 1955 gewann.

Sein Weggefährte, der Sportjournalist und Verleger Klaus Huhn, erinnert sich, dass ihn die Einladung zum internationalen Radrennen aus Polen an die DDR vor 61 Jahren erreichte. »Damals eine große Überraschung.« Zwei Jahre später ging Schur erstmals bei der Friedensfahrt an den Start. Das Radrennen begann im noch immer in weiten Teilen zerstörten Warschau. »So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen«, sagt der sechsmalige DDR-Meister Schur.

Dieses schockierende Erlebnis trug dazu bei, dass aus dem jungen Sportler auch ein politisch engagierter Mensch wurde. »Weil so viel Unrecht geschehen war, hatten wir Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Pflicht, etwas ganz Neues aufzubauen.« Von 1959 bis 1990 war Schur SED-Abgeordneter in der Volkskammer der DDR. Zwischen 1998 und 2002 saß er für die PDS im Bundestag.

Zuweilen nostalgisch denkt der Velo-Veteran zurück an die DDR. Wehmütig erinnert er sich an die Deutsche Hochschule für Körperkultur in Leipzig, die im Dezember 1990 auf Beschluss der sächsischen Landesregierung geschlossen wurde. Diese Entscheidung hat Schur nie nachvollziehen können. »Die Hochschule war doch eine von vielen großartigen Ausbildungsstätten in der DDR.« 1963 erwarb der Spitzenathlet an dieser Leipziger Hochschule sein Diplom als Sportlehrer. Als er die Arbeit in etwa zwei Monaten fertig schrieb, musste er beim Training kürzer treten. »Der Abschluss war für mich sehr wichtig. Denn ich wollte mich auch nach meiner aktiven Zeit in der Gesellschaft einbringen«, erklärt Schur.

Am 23. Februar feiert die Radsportlegende ihren 80. Geburtstag. Altersmüde wirkt der Vertreter der Linkspartei im Gemeinderat seiner Heimatstadt Heyrothsberge in Sachsen-Anhalt indes nicht. Wer weiß, vielleicht wird er sich auch noch in 20 Jahren, wenn er nicht gerade mit dem Rennrad unterwegs ist, in der Kommunalpolitik für seine Überzeugungen einsetzen. »Wir Ossis können und müssen 100 Jahre alt werden«, scherzt Schur.

Gustav-Adolf Schur: Täve - Die Autobiografie. Verlag Neues Leben. 288 S., geb., 19,95 €.

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