Lou Salomé

FRAUEN-GESCHICHTE(N)

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.
Lou Salomé

Sie gehörte wegen ihrer Schönheit, hoher Bildung und ihren vielen Affären mit Berühmtheiten ihrer Zeit zu den interessantesten europäischen Frauen.

Lou Salomé wurde am 12. Februar 1861 in St. Petersburg geboren. Sie war nach fünf Söhnen die erste Tochter der Familie und wurde von allen vergöttert. Ihr Vater mit deutsch-französischer Herkunft stand als General in den Diensten des Zaren. Sie nahm mit Zustimmung der Familie bei einem verheirateten Theologen zusätzlichen Privatunterricht in Geschichte, Philosophie und vergleichender Religionswissenschaft. Und sie setzte als selbstbewusste junge Frau auch eine Studienreise in die Schweiz durch, von wo aus sie sich die geistigen Salons in den deutschsprachigen Ländern und die Herzen der Gelehrten eroberte. Friedrich Nietzsche schätzte sie als »das intelligenteste aller Weiber«. Rainer Maria Rilke, mit dem sie Lew Tolstoi in Rußland besuchte, war ihr eng verbunden. Mit Paul Rée lebte sie in platonischer Liebe zusammen. Doch erst der Orientalist Friedrich Carl Andreas, Professor in Göttingen, konnte sie von der Ehe überzeugen; sie führten eine sehr offene. Das Ehepaar nahm sich auf dem Hainberg ein abgelegenes Haus. Lou genoss die Natur und verfasste Artikel für Zeitschriften, Essays, wissenschaftliche Aufsätze sowie Erzählungen. Sie analysierte Henrik Ibsens Frauengestalten und befasste sich mit der neuen Lehre von Sigmund Freud. Sie nahm schließlich Kontakt zum Psychoanalytiker auf. Im September 1911 gehörte sie zu den 55 Teilnehmern des Psychoanalytischen Kongresses in Weimar. Diskutiert wurden Autismus, Homosexualität, hysterische Fantasien, Paranoia etc. Nach diesem Kongress studierte Lou in Wien bei Freud. Anschließend unterhielt sie in Göttingen bis zu ihrem Tod am 3. Februar 1937 die erste und einzige psychoanalytische Praxis der Region, wo sich Patienten aus ganz Deutschland sowie dem Ausland behandeln ließen. Die Wahl-Göttingerin, die im Volksmund »Hexe vom Hainberg« genannt wurde, handhabte Freuds Behandlungsregeln mit »intimster Einfühlung und kältester Anwendung des Verstandes« überaus erfolgreich.

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