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Hubschrauber über kahlen Beeten

GARTENTIERE: Wollschweber ähneln Taubenschwänzchen

Von ihnen gibt es nicht allzu viele. Und ich würde sie wohl gar nicht erwähnen, wenn man sie nicht alljährlich – im Frühjahr zunächst an den Traubenhyazinthen – beobachten könnte. Im vergangenen Jahr waren sie kaum zu sehen. Dagegen ließen sich 2009 schon im April, aber auch später bei anhaltend schönem Wetter nachmittags ständig stattliche Vertreter sehen, die wie Hubschrauber oder Kolibris über noch kahlen Beeten in der Luft standen. Sie rücken in kurzen Abständen ein Stückchen weiter, so dass man sie auch dann kaum aufs Bild bekäme, wenn sie nicht so scheu wären. Man erkennt, dass es sich um plüschig behaarte, daher Woll- oder Hummelschweber genannte Tiere handelt (Foto: Sedlag).

Sie strecken einen langen Rüssel vor, der nicht zurückgezogen oder wie bei Schmetterlingen aufgerollt werden kann. Sie wären wohl mit einem Taubenschwänzchen, jenem kleinen, bis 24 Millimeter langen Schwärmer zu verwechseln, wären sie mit höchstens etwa Bienengröße nicht deutlich kleiner.

Wie in Anbetracht des Rüssels zu erwarten, sind Wollschweber Blütenbesucher, die ihren Flugmotor meistens nicht erst abstellen, während sie sich nur mit den Vorderbeinen an der Blüte abstützen. Mehr Zeit als beim Nektarsaugen lassen sich die Weibchen, wenn sie sich auf dem Boden niederlassen. Das tun sie, um ihre klebrigen Eier mittels spezialisierter Borsten mit Sand oder Erde zu überkrusten. Unter Wippbewegungen werden diese dann mehr oder weniger gut gezielt an den Nesteingängen bodenbewohnender Bienen oder Grabwespen abgeworfen, wo man sie dank ihrer Tarnung kaum finden kann.

Welch Arbeitsaufwand, wenn es tatsächlich, wie angegeben, zwei- bis dreitausend Eier sein können! Die Häufigkeit der Wollschweber deutet darauf hin, dass es in meinem Garten oder in der Nachbarschaft nicht wenige übersehene Nester von Hautflüglern gibt, die ihre Brut in der Erde aufziehen.

Übrigens sei erwähnt, dass (von seltenen, als solche dann erwähnten Ausnahmen abgesehen) alle in dieser Artikelreihe mitgeteilten Beobachtungen im eigenen Hausgarten gemacht wurden – was verdeutlicht, wieviel man selbst auf begrenztem Raum (in diesem Fall knapp 1000 Quadratmeter) so beobachten kann.

Prof. Dr. Ulrich Sedlag,

Zoologe

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