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Ein Freiherr zu Guttenberg dissertiert nicht

Der Verteidigungsminister will bis zum Ergebnis der Plagiatsuntersuchung nur Dr. jur. i. R. sein

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich nach den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit entschuldigt, tritt aber nicht zurück. Dies gab er am Freitag in Berlin bekannt. »Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf die Führung des Titels verzichten.«

Nach dem Gespräch im Kanzleramt am späten Donnerstagabend hätte die Eilmeldung am gestrigen Vormittag auch anders lauten können: Die Bundeskanzlerin hat zu Guttenberg gestern von seinen Pflichten als Verteidigungsminister entbunden. Merkel bezeichnete Meldungen über einen angeblichen Rausschmiss als »Ausdruck bemerkenswerter Ahnungslosigkeit«. »Ein von seinen Pflichten vorläufig entbundener Minister ist weder gefeuert noch geopfert noch geschasst noch rausgeworfen. Deshalb handelt es sich hier nicht um eine Vorverurteilung, sondern um eine Maßnahme, die unter anderem der sachgerechten Aufklärung dient und als solche angelegt ist.« Angesichts der immensen Vorwürfe sei diese Maßnahme »die beste auch in seinem Sinne«, ließ Merkel verkünden. »Wenn die Anschuldigungen sich als nicht stichhaltig erweisen sollten, wird er seine Karriere wie geplant fortsetzen können.«

Diese Nachricht ist – was viele Oppositionelle bedauern mögen – eine »Ente«. Schlimmer noch. Sie ist über weite Strecken ein Plagiat. Die Formulierungen stammen von zu Guttenberg selbst. Mit ihnen rechtfertigte der die Ablösung des Kapitäns des Skandal-Segelschulschiffes »Gorch Fock«.

Zu Guttenberg scheint derzeit die »Fettnäpfchen« zu suchen. Während gestern in der Bundespressekonferenz allgemein über Konsequenzen aus den Plagiatsvorwürfen geredet wurde, gab der CSU-Politiker zeitgleich im Verteidigungsministerium vor »ausgewählten Medienvertretern« ein Statement zum vorläufigen Doktor-Titel-Verzicht ab. Dabei räumte der Minister Fehler ein. Es tue ihm »aufrichtig leid«. Im Internet sind inzwischen über 80 »unsaubere« Fundstellen in zu Guttenbergs Doktorarbeit aufgelistet.

Derzeit promovieren in Deutschland jährlich um die 25 000 Männer und Frauen. Bildungsexperten bezweifeln den Wert vieler Arbeiten. Nicht selten werden sie nach dem Studienabschluss geschrieben, nur weil die Autoren keine berufliche Alternative haben. Für andere ist der Titel Prestigegewinn. Allein in Merkels Kabinett gibt es fast ein Dutzend Doktoren.

Gegen einen – zu Guttenberg – laufen seit gestern zwei Strafanzeigen, bestätigte die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Freitag. Bei der ersten Anzeige gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, Inhalt der Zweiten ist eine vermutete falsche eidesstattliche Versicherung. Da jedoch die Promotionsordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Bayreuth keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsieht, ist das auch kein Grund für Ermittlungen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Dr. jur. i.R. (im Ruhestand) zu Guttenberg hat sich derweil wieder um seinen beruflichen Alltag zu kümmern. Es gab einen toten und mehrere verwundete Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

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