Ein Vorbild für künftige Gerichtshöfe?

Interview mit Dr. Siegfried Blunk, Ermittlungsrichter am Kambodscha-Tribunal

Prof. Dr. Mechthild Schrooten ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen und engagiert sich in der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

ND: Das Kambodscha-Tribunal hat seine Tätigkeit offiziell bereits 2006 aufgenommen. Bis heute ist nur Kaing Guek Eav, genannt Duch, verurteilt worden. In welchem Verhältnis sehen Sie Aufwand und Ergebnis?
Bunk: Zunächst ist festzuhalten, dass das Khmer-Rouge-Regime in vier Jahren, von 1975 bis 1979, etwa eine Million eigene Staatsbürger ermorden ließ. Um Kugeln zu sparen, ließ es Männer und Frauen mit Knüppeln töten und Kinder mit den Köpfen gegen Bäume schlagen. Trotz dieser ungeheuerlichen Verbrechen lebten die Mörder 30 Jahre lang unbehelligt unter den Hinterbliebenen der Opfer und wurden – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht von der kambodschanischen Justiz verfolgt. Erst mit dem Khmer-Rouge-Tribunal begann im wesentlichen die Strafverfolgung. Dies ist das erste große Verdienst des Tribunals, was sich auch in dem großen öffentlichen Interesse widerspiegelt. Zum Prozess gegen den Angeklagten Duch kamen 30 000 Zu...


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