Todesdrohung

Mehdi Karrubi - der iranische Oppositionsführer wird mit dem Tode bedroht

Tausende Anhänger des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad haben am Freitag auf einer Demonstration Todesdrohungen gegen Mehdi Karrubi skandiert. Der Oppositionspolitiker ist der Teheraner Führung seit Jahren ein Dorn im Auge. Seine regierungskritische Zeitung »Etemad Melli« wurde geschlossen, sein Auto beschossen, sein Büro verwüstet. Nach Angaben seiner Webseite Sahamnews belegten die Behörden den 73-Jährigen zuletzt mit Hausarrest.

Der schiitischer Geistliche, 1937 in Aligudarz am Fuße des Zagrosgebirges geboren, trägt den religiösen Titel Hodschatoleslam val Moslemin und ist in der klerikalen Hierarchie damit unter dem Ayatollah angesiedelt. Schon in den 1960er Jahren machte sich Karrubi aber auch einen Namen als politischer Aktivist; mehrfach wurde er verhaftet und interniert. Nach 1979 hatte er dann Sitz und Stimme in wichtigen Gremien der Islamischen Revolution, war an der Ausarbeitung einer neuen Verfassung beteiligt und zog 1980 ins Parlament ein. Zwei Mal wurde er dort zum Sprecher bestimmt, zuletzt 2000 bis 2004. Im Jahr darauf kandidierte Karrubi erstmals bei den Präsidentschaftswahlen, scheiterte aber im ersten Wahlgang mit 17,24 Prozent der Stimmen knapp. Er gründete eine eigene Partei (Etemad-e Melli – Nationales Vertrauen) und trat 2009 erneut an. Bei der von Manipulation überschatteten Wiederwahl Ahmadinedschads kam er jedoch nur noch auf 0,9 Prozent der Stimmen und lag damit auch deutlich hinter dem zweiten Oppositionskandidaten Mussawi (33,7 Prozent).

Karrubi gilt im westlichen Ausland gemeinhin als wichtiger Reformer. Beobachter wie der iranische Publizist Bahman Nirumand sehen ihn kritischer. Karrubi selbst versteht sich als »Teil des islamischen Systems«, das er nie grundsätzlich in Frage gestellt hat. Doch verurteilt er den Führungsstil von Ahmadinedschad. Brandreden etwa würden nur Probleme für Iran verursachen. »Ich war mehr als 40 Jahre ein Soldat im Dienste dieses Landes und habe keine Angst vor Drohungen«, betonte Karrubi jetzt auf seiner Webseite. Statt zu drohen, sollte die Regierung »lieber die Unterdrückung der Menschen beenden, Pressefreiheit zulassen und die Verfassung achten«. Mattes Dellbrück

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