Im Visier der »Zensurbehörde«

Buchhändler wegen Beihilfe zur Anleitung zu Straftaten und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagt

  • Von Peter Kirschey
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Die Szene hatte schon etwas Gespenstisches. Der Saal 101 im Kriminalgericht Moabit war gestern hermetisch abgeriegelt, die wenigen Zuhörer mussten sich einer verschärften Kontrolle unterziehen lassen, ihre Personalien wurden registriert. Noch vor Verhandlungsbeginn wurden Vertreter der Tagespresse mit dem Argument abgewiesen, die Pressebank sei bis auf den letzten Platz besetzt. Erst auf Intervention der Verteidigung fanden sich, welch ein Wunder, doch Plätze für Zuhörer und Presseleute. Was geschah da im Gerichtssaal? Ist ein gefährlicher Terrorist oder Serienmörder angeklagt, der verschärfte Sicherheitsmaßnahmen notwenig macht?

Nichts von dem. Das Ganze gehörte zu einer Inszenierung des Amtsgerichts Tiergarten. Das Gespenst einer »linken Gefahr«, eines drohenden Anschlags auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung soll da heraufbeschworen werden. Und der Richter spielt mit. Angeklagt ist – tatsächlich – ein Buchhändle...


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