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Kuba vernetzt sich mit dem Rest der Welt

Breitbandkabel von Venezuela zur Karibikinsel verlegt / Blogs von Systemkritikern entsperrt

  • Von Andreas Knobloch, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kuba erhält Zugang zum schnellen Internet. Damit kommt das Land aus der bisherigen virtuellen Isolation – einem Relikt des US-Embargos.

Das Unterseekabel, das zwischen Venezuela und Kuba verlegt wird, hat vor wenigen Tagen die Karibikinsel erreicht. Das französische Spezialschiff »Ile de Batz« wurde mit einem Staatsakt in Santiago de Cuba empfangen. Mit der Installation des Kabels soll Kuba endlich Anschluss ans Breitbandnetz erhalten. Bisher ist das Land noch gezwungen, Internetsignale per Satellit zu empfangen. Die Verlegung war am 22. Januar in Camurí (Venezuela) gestartet worden.

Das von einem chinesisch-französischen Gemeinschaftsunternehmen gefertigte Glasfaserkabel kostet geschätzte 52 Millionen Euro und hat eine Länge von 1630 Kilometern. In einer ersten Etappe verbindet es Venezuela und Kuba; die Verlegung eines Ablegers nach Jamaika begann am 11. Februar. Die Inbetriebnahme ist für Juli geplant. Bis zu 3000 Mal schneller soll die Datenübertragung dann laufen (640 Gigabyte pro Sekunde). Um die neuen Möglichkeiten ausschöpfen zu können, sind weitere Investitionen in die veraltete Infrastruktur des kubanischen Kabel- und Telefonnetzes nötig.

Gemeinschaftszentren für die Bevölkerung

Die Verlegung des Glasfaserkabels wird vom kubanisch-venezolanischen Gemeinschaftsunternehmen Telecomunicaciones Gran Caribe S.A. (TGC) ausgeführt; Spezialisten beider Länder werden später das Kabel auch betreiben. Nach Angaben des kubanischen Vizeministers für Informatik und Kommunikation, Rámon Linares, liegt die Priorität in der Schaffung von Gemeinschaftszentren, in denen die Bevölkerung Zugang zum Intranet hat, sowie im Ausbau der Verbindungen in Forschungs- , Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.

In Kuba hat bisher nur ein sehr begrenzter Personenkreis – Akademiker, Wissenschaftler, Kulturschaffende, Journalisten sowie ausländische Geschäftsleute – Zugang zum Internet. Laut offiziellen Zahlen gab es 2009 in Kuba 1,6 Millionen Internetnutzer, was 14,2 Prozent der Bevölkerung entspricht – der niedrigste Wert in Lateinamerika. Die Mehrheit von ihnen hat keinen direkten Anschluss ans Internet, sondern zu einem Mailsystem sowie einem Intranet mit von der Regierung ausgewählten Seiten. Touristen können sich in einigen Hotels einloggen, zu teuren Tarifen (8-10 Dollar/Stunde). Die Regierung macht dafür das Handelsembargo der USA verantwortlich. Dieses verhindere, dass Kuba Anschluss an Unterseekabel erhält, die die Karibik durchlaufen. Stattdessen verfügt die Insel seit 1996 über eine Satellitenverbindung, was deutlich langsamer und teurer ist. Die Behörden begründen damit auch die Restriktionen für individuellen Internetzugang.

US-Firmen geraten ins Hintertreffen

US-Präsident Barack Obama hatte heimischen Telekomunternehmen 2009 erlaubt, Kuba über Glasfaserkabel ans Internet anzubinden. Sein Argument: Ein besserer Informationsfluss sei für den »demokratischen Wandel« hilfreich. Bisher hat allerdings nur die in Miami ansässige TeleCuba Communications Inc. vom US-Finanzministerium die nötige Lizenz erhalten. Während Venezuela seinen Einfluss auf dem kürzlich geöffneten kubanischen Telekommunikationsmarkt weiter ausbaut, drohen US-Firmen wegen Streitigkeiten mit der US-Regulierungsbehörde FCC außen vor zu bleiben. Diese hält die von der kubanischen Regierung verlangten Übertragungsgebühren für überhöht. Die 11,4 Millionen Einwohner Kubas bilden den größten Telekommunikationsmarkt der Karibik mit einem geschätzten Gewinnvolumen von 400 Millionen US-Dollar in 2013.

Kürzlich wurde bekannt, dass die Regierung die Blockade systemkritischer Webseiten wie der Blogportale »Desde Cuba« und »Voces Cubanas« aufgehoben hat. Diese Seiten enthalten mehr als 30 Blogs von Dissidenten wie der Philologin Yoani Sanchez (»Generación Y«). Beobachter meinen, möglicherweise handle es sich nur um eine vorübergehende Aufhebung wegen der Internationalen Informatikkonferenz und -messe, die kürzlich in Havanna stattfand und an der auch der Chef der UN-Telekommunikationsagentur teilnahm. Dennoch verkündete ein weiterer kubanischer Vizeminister für Informatik und Kommunikation, Jorge Luis Perdomo, seine Regierung sehe »keinerlei politische Hindernisse«, den Internetzugang für die Bevölkerung nicht zu öffnen. Es bestehe der »unbedingte Wille«, den Telekommunikationssektor der Insel weiterzuentwickeln.

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