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»Können sie nicht im Sommer streiken?«

GDL legte Regional- und S-Bahn-Verkehr lahm / Beim nächsten Mal soll es Berlin weniger hart treffen

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Die Rolltreppen fuhren noch im Hauptbahnhof.
Die Rolltreppen fuhren noch im Hauptbahnhof.

So ausgestorben wirkte der Hauptbahnhof schon lange nicht mehr. Kaum eine Menschenseele hastet durch den Glaspalast zu den Bahnsteigen. Denn an diesem Dienstagmorgen ist klar – hier fährt nichts mehr, und wenn, dann mit großer Verspätung. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) hatte »flächendeckend«, wie es bei der Bahn hieß, den Verkehr zum Erliegen gebracht. Während ihres Warnstreiks zwischen 6 und 8 Uhr ging fast nichts mehr, und danach lief alles nur langsam an, im Fernverkehr wurde mit einer Normalisierung erst in den Abendstunden gerechnet.

Tausende Fahrgäste hatten von der Streikankündigung am Abend zuvor nichts mitbekommen und starrten entgeistert auf die Anzeigetafeln, die die ausfallenden oder verspäteten Bahnen vermeldeten. Die Meinungen waren geteilt. Einige fanden den Streik »zum Kotzen«, andere verständlich, dass die Lokführer für eine faire Bezahlung kämpfen. Eine bibbernde Frau allerdings fragte: »Können sie das nicht im Sommer tun?«

Bei der GDL war man zufrieden mit der Aktion. 80 bis 90 Prozent der S-Bahnen und Regionalzüge seien ausgefallen, schätzte Bezirkschef Frank Nachtigall ein. »Das zeigt, dass es keine Streikmüdigkeit gegeben hat. Die Beteiligung am Warnstreik war hoch.« Im Gegensatz zum letzten Streik der Lokführer 2007/2008 gelang es der S-Bahn diesmal kaum, ihre Züge von Nicht-GDL-Mitgliedern fahren zu lassen. Dadurch waren Bahnen nur sporadisch auf wenigen Abschnitten unterwegs, so zwischen Königs Wusterhausen und Grünau, Oranienburg und Schöneberg oder Spandau und Friedrichstraße. »Die Masse unserer Züge ist ausgefallen«, so ein Sprecher. Als kleines Trostpflaster schenkte die Bahn an ihren Servicepoints warme Getränke aus und verteilte Verzehrgutscheine im wert von 2,50 Euro. Ansonsten konnte sie nur per Ansage empfehlen, auf die BVG umzusteigen.

Busse, U- und Straßenbahnen waren deshalb im Berufsverkehr brechend voll. Besonders die Straßenbahn habe zwischen 7.15 und 7.45 Uhr den Ansturm kaum bewältigen können, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. »Da mussten wir viele Menschen stehen lassen.« Betroffen waren bis auf die in Köpenick fast alle Linien. Auf den U-Bahn-Linien U 2, U 5 und U 6 ließ die BVG insgesamt sieben zusätzliche Züge fahren.

Der Fahrgastverband Igeb kritisierte den Streik scharf. »Mit seiner Ankündigung praktisch ohne Vorwarnzeit hat sich die GDL einen Bärendienst erwiesen«, so Igeb-Vizechef Jens Wieseke. Fahrgäste hätten kaum Zeit gehabt zu reagieren und würden nun verprellt. »Es handelte sich ja um einen Warnstreik, den kann man schon mal 24 Stunden vorher ankündigen.« Auch die Forderung nach einem Notdienst auf dem Ring oder ins Umland sei ungehört verhallt.

Von einem weiteren Streik bleibt die S-Bahn aber möglicherweise verschont. »Wir werden sie bei der nächsten Arbeitskampfmaßnahme auslassen, unter Berücksichtigung der besonderen Bedingungen«, versprach der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. Die S-Bahn werde aber nicht generell vom Arbeitskampf ausgespart. Für die Technikprobleme an den Fahrzeugen sei nicht die GDL, sondern das Bahn-Management zuständig. Wann das nächste mal gestreikt wird, ist unklar. Die Gewerkschaft kündigte an, die Urabstimmung ihrer Mitglieder über Streiks einzuleiten. Diese werde zwei Wochen dauern, in dieser Zeit könne es zu weiteren Warnstreiks kommen.

Keine Auswirkungen hatte der Streik bei der Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg), die u.a Strecken zwischen Lichtenberg und Frankfurt (Oder) sowie Werneuchen betreibt. Dort übernahmen Team- oder Gruppenleiter, die sonst in der Verwaltung tätig sind, die Fahrten.

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