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Die Rezension

Hosen runter

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Der Herzinfarkt ist gesellschaftsfähig. Der After ist es nicht. Und dabei hat, statistisch gesehen, jeder zweite von uns im Laufe seines Lebens einmal mit diesem Teil des Körpers Probleme. So wie Prof. Lindenau, der Herzchirurg. Ein Proktologe nahm ihn unters Messer. Alles ging gut. Aber nicht die Botschaft »Hurra, ich lebe noch!« veranlasste ihn, ein Buch zu schreiben, sondern der Ehrgeiz, dieses »peinliche« Thema publik zu machen.

Das macht Lindenau ziemlich geschickt. Er schildert ganz einfach, was ihm geschah: von den ersten Beschwerden, dem Arztbesuch, seinem seelischen Zusammenbruch mit Selbstbefragung und Suizidgedanken bis hin zur Operation und Genesung. So oder so ähnlich haben dies schon viele erlebt, die Abläufe gleichen sich, wenn man in seiner Existenz infrage gestellt wird.

Der solchen Schilderungen innewohnenden Gefahr, in Peinlichkeit zu fallen oder einen medizinischen Fachvortrag zu halten, entgeht Lindenau. Er erzählt trotz emotionaler Beteiligung vergleichsweise lakonisch und für jedermann verständlich. Vielleicht trägt auch die Kürze seines Textes dazu bei, dass sich das Gefühl des Unangenehm-Berührtseins nicht einstellen kann. Er endet rechtzeitig. Egal, der Arzt teilt sich hier als Mensch und nicht als Weißkittel mit und erreicht auf diese Weise das von ihm und seinesgleichen verfolgte Ziel: Leute, lasst die Hosen runter, es muss euch nicht peinlich sein. Karl Bodenbach

Karl-Friedrich Lindenau: Nicht gesellschaftsfähig. Anmerkungen eines Arztes zum After, verlag am park in der edition ost Berlin, 110 S., ill., 9,95 €.

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