Die Juden und die Radfahrer

»Mein Kampf« von Urs Odermatt und Martin Lehwald

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Die Juden und die Radfahrer, die seien ja tatsächlich an allem Schuld, flucht der verhinderte Akademiezögling. Und der jüdische Bibelverkäufer, an dem antisemitische Kraftsprüche längst abperlen, fragt nur zurück: »Was hast du gegen Radfahrer?«. Sie sind Nachbarn im Männerwohnheim in der Wiener Blutgasse, der grauhaarige jüdische Hausierer und der halb verhungerte Provinzflüchtling mit den noch ebenso vagen wie ganz sicher großen Plänen. Es ist 1910, und der junge Adolf Hitler glaubt immer noch an eine Aufnahme an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

Ein sehniges Bübchen ist dieser Hitler, ein halberwachsener Bengel, der zwischen Größenwahn und der totalen Unsicherheit schwankt, von spätpubertären Wunschträumen über die eigene Bedeutung und Erwähltheit erfüllt – und von jedem Erleben persönlichen Scheiterns weiter hineingetrieben in Rassen- und Verfolgungswahn, in Hirngespinste von der erst nur nationalen, später dann gleich...


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