Närrin aus Not

Käthe Reichel 85

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Wenn sie spielte, stand man zwischen Sog und Entsetzen. Wie weit, so jedes Mal die Frage, würde sie es treiben, dies Bizarre, dies Wahnberührende, dies grelle oder grummelnde Weltferne. Immer schien sie eine entflohene Närrin aus Not zu sein, die sich provozierend unter die gewöhnlichen Leute mischt, Füße und Fühlen immer nah jener »Grenze der Verrücktheit«, die Thomas Bernhard als Grundort einer künstlerischen Existenz ansah. Käthe Reichel (ND-Foto: Burkhard Lange) verschenkte spielend Schönstes: Unsicherheit. »Man sieht ihr zu, weiß nicht, soll man es kritisch sehen, mitleiden, sich befreien«, so hat es Günther Rücker notiert, ihr Autor und Regisseur (mit Günter Reisch) beim DEFA-Film »Die Verlobte«. Reichel als Nazi-Oberwachtmeisterin: Kraft des doppelten Herzens – kalter Stein und plötzlich steinerweichender Seelengrund.

Horst Seemanns Film »Levins Mühle«, die »Mume Mehle« bei Thomas Langhoff, in dessen DT-Inszeni...


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