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»Schluss mit den Doktorspielchen«

Pro-Guttenberg-Demos erwiesen sich als Flop / Häme und Spott für den Ex-Minister bei Gegenveranstaltungen

Hat Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nur virtuelle Fans? Während sich im Internet angeblich Hunderttausende für den Baron stark machten, gingen am Wochenende nur wenige für ihren Liebling auch tatsächlich auf die Straße. In Hamburg kamen am Samstag lediglich 350 Menschen zu einer groß angekündigten Pro-Guttenberg-Demonstration, und in Berlin entpuppte sich eine vermeintliche Unterstützungs-Kundgebung sogar als ironische Spott-Veranstaltung auf Kosten des von allen politischen Ämtern zurückgetretenen CSU-Politikers.

Berlin/Guttenberg (ND/dpa). Nur im heimischen Bayern kann der 39-Jährige wirklich auf die Bevölkerung zählen. In seinem oberfränkischen Heimatort Guttenberg solidarisierten sich einige tausend Demonstranten mit dem zurückgetretenen Minister. Auch in Berlin wurden die Guttenberg-Fans überrannt – und zwar von einer lautstarken Spaßguerilla, die sich über den Guttenberg-Hype lustig machte. Ein junger Mann mit Pappkrone warb am Brandenburger Tor für die Monarchie und forderte: »Gutti for Kaiser«. Anschließend wurde ein großes Transparent entrollt, auf dem in Frakturschrift und mit Schreibfehler »Solidaritet mit dem Oberbefehlshaber« angemahnt wurde. Ein Redner mit Megafon schwadronierte zu Marschmusik und unter dem Gejohle seiner Mitstreiter, Guttenberg werde keine Fußnote der Geschichte bleiben: »Du kommst zurück – auferstanden am dritten Tag!«. Ein anderer Demonstrant forderte auf seinem Plakat: »Schluss mit den Doktorspielchen«. Nicht jedem Anwesenden gefiel dieses Schauspiel. Besonders geärgert haben dürfte sich Stephan Görsch, denn der 26-jährige Programmierer wollte in Berlin eine ernst gemeinte Pro-Guttenberg-Demonstration durchführen, hatte diese aber zugunsten der Spaßveranstaltung schließlich abgesagt.

Ähnlich wie in Berlin waren auch in Hamburg die Guttenberg-Gegner die lautere Gruppe – obwohl die Anhänger des CSU-Politikers dort in der Überzahl waren. Am Mittag ertönte auf dem Gänsemarkt laut Musik der Rockband AC/DC, für die auch Guttenberg schwärmt. Die wenigen bis dahin versammelten Unterstützer des zurückgetretenen CSU-Politikers wähnten sich unterstützt. Doch ihr Applaus endete abrupt, als die DJs sich als Guttenberg-Gegner outeten: »Wir sind die Junge Union St. Pauli und haben für jeden einen in mühevoller Kleinarbeit entstandenen Doktortitel dabei«, spotteten die Gegendemonstranten.

Im Freistaat Bayern war die Übermacht der Pro-Guttenberg-Demonstranten deutlich größer. So trafen etwa in München die 500 Anhänger des CSU-Mannes auf lediglich 16 Gegendemonstranten. Die größte Pro-Guttenberg-Demo gab es in seinem oberfränkischen Heimatort mit einigen tausend Menschen, darunter auch der Vater des Politikers, der Dirigent Enoch zu Guttenberg. Die Angriffe in der Plagiatsaffäre bezeichnete der 64-Jährige als »Menschenjagd«. Auf Transparenten waren Parolen wie »Ohne KT Deutschland ade« und »Wir sind das Volk, wir wollen Guttenberg zurück« zu lesen.

Bei Internet-Netzwerk »Facebook« unterstützten bis zum späten Samstagnachmittag mehr als 570 000 Menschen die Aktion »Wir wollen Guttenberg zurück«. Für den Politiker demonstriert haben die meisten von ihnen aber nicht.

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