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»Die Revolution ist noch nicht beendet«

Erster Bericht der US-Regierung zur Lage der Frauen seit 1963 – Nachteile beim Lohn nehmen zu

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

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Laut Erkenntnis des Weißen Hauses holen US-Frauen überall auf – in der Gesellschaft, der Bildung wie im Beruf. Allerdings bleibt ein gravierender Nachteil: Frauen bekommen in den USA immer noch nur 75 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen.

In den Vereinigten Staaten sind die Frauen meist gebildeter als die Männer und sie sind zu gleichen Prozentsätzen berufstätig wie ihre männlichen Kollegen. Dennoch leiden sie nach wie vor stellenweise unter Diskriminierungen, stellt ein Bericht zur Lage der Frauen fest, der jetzt vom Weißen Haus veröffentlicht worden ist. Es ist der erste derartige Bericht seit 1963, als die US-Frauenbewegung auf einem Höhepunkt angelangt war. Vorgelegt wurde er jetzt zum 50. Jahrestag des »Monats der Frau«.

Besonders im Fokus der Administration von Präsident Barack Obama steht die Gruppe der berufstätigen Frauen, eine zuverlässige Wählerschicht für seine Demokraten. »Die Obama-Administration hat sich von Tag eins an auf die Herausforderungen konzentriert, denen sich Frauen und Mädchen ausgesetzt sehen, denn wir wissen, dass ihr Erfolg entscheidend ist, um die Zukunft zu gewinnen«, sagte Valerie Jarrett, Leiterin des Rates für Frauen und Mädchen im Weißen Haus, bei der Vorstellung des Regierungsberichtes. »Der Bericht dient nicht nur als Rückblick auf das Leben der amerikanischen Frauen, sondern auch als Wegweiser für die Zukunft.«

Laut dem Bericht erwerben inzwischen mehr Frauen als Männer den Bachelor- und den Master-Titel. Während sie an den Schulen und Hochschulen aufgeholt haben, erwartet die Frauen dann im Beruf aber eine große Enttäuschung: Sie erhalten durchschnittlich nur 75 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Und das, obwohl sie meist neben dem Job auch noch die Hausarbeit zu erledigen haben. Jedenfalls zu 90 Prozent, wie der Bericht ausweist. Nur 60 Prozent der Männer in Ehen oder festen Beziehungen mit gemeinsamem Hausstand arbeiten überhaupt im Haushalt mit.

Die Autoren des Regierungsberichtes sprechen denn auch davon, dass die Frauenbewegung in ihrem Kampf um Gleichbehandlung nicht mehr voranzukommen scheint. »Wir stecken irgendwie fest«, sagte Debra Fitzpatrick, Leiterin des Fraueninstituts an der Universität von Minnesota. Obwohl Frauen in ihrem Kampf um Gleichbehandlung bei den Gehältern und Löhnen alles richtig gemacht hätten, zeige sich doch zäher Widerstand. »Die Revolution ist noch nicht beendet.«

Die wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich in den USA benachteiligen Frauen stärker als Männer. In den wohlhabenderen Familien verdienten 2008 ganze 27 Prozent der Frauen mehr als ihre Ehemänner. Zehn Jahre zuvor waren es neun Prozent weniger. Frauen sind öfter arm als Männer, vor allem, weil sie häufig Kinder allein versorgen müssen.

In einigen Bereichen haben laut dem Report Frauen in der Frage der Entlohnung sogar an Terrain verloren. So bekamen Ärzte im Bundesstaat New York 1999 durchschnittlich 3600 Dollar mehr als Ärztinnen. 2008 verdienten Männer sogar 16 000 Dollar mehr als Frauen. Nach Ansicht von Prof. Fitzpatrick hat die Wirtschaftskrise jetzt dazu geführt, dass viele Frauen klein beigeben und nicht mehr um einen gerechten Lohn kämpfen wollen. Sie wollen in der Krise »nicht als Super-Frau« auftreten.

Dennoch sieht der Report Anzeichen, dass Frauen versuchen, Ungleichgewichte von Beruf und Privatleben in den Griff zu bekommen. Mittlerweile bekommen 22 Prozent der Frauen ihr erstes Baby mit über 30 und die Zahl der Mütter mit über 40 nimmt zu. In den 1970er Jahren bekamen die Frauen ihre Kinder in den Zwanzigern.

Fitzpatrick ist optimistisch. Der Bericht gebe Grundlagen für Zukunftsentscheidungen an die Hand. »Wir stehen an einer Kreuzung und müssen entscheiden, wo es lang geht.«

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