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Komik in der Krise

Neue Performance-Reihe im Theaterdiscounter

Eine neue internationale Performance-Reihe brachte der Theaterdiscounter auf den Weg. »Trying to be real« heißt sie und erlebte bei ihrem Beginn viel Publikumsinteresse. Die Künstler sind hier beispielsweise aufgefordert, sich in Prozessen kenntlich zu machen und Verbindungen einzugehen.

Der Starter war Yair Vardi aus Israel, der mit »I am Yair Vardi« ein Selbstporträt ablieferte – und damit auch das seiner Arbeit. Er ist Kurator des Festivals »A Genre« für zeitgenössische und interdisziplinäre Performance-Kunst in Tel Aviv. In seiner Performance nun, die zu einem beträchtlichen Teil aus Vortrag in englischer Sprache bestand, ging er dem auf den Grund, was die künstlerischen Arbeiten dieses Festivals vereinen oder nicht. In Zuspitzungen kam er bis zur Karikatur dessen, wie und wofür er arbeitet.

Das war teilweise komisch, hinterließ jedoch auch Unverständnis. Aber das ist eine Laune des Genres Performance. Die persönlich stark geprägte Kunstart, deren Grenzen weit sind, erschließt sich dem Zuschauer keineswegs immer. Die Gedanken des Künstlers können durch die intensive Verarbeitung des Themas schon so verwickelt sein, dass sich dieses Knäuel seiner Absichten für andere nicht öffnet. Man könnte auch sagen, er weiß zu viel über das, was er mitteilen will.

Das zweite Stück des ersten Abends hatte keine Worte, teilte sich über Körpersprache mit. Die Wahlberlinerinnen Christine Borch und Marina Tenório – die eine geboren in Dänemark, die andere als Spross einer russisch-brasilianischen Familie in Moskau – zeigten ihre Produktion »an I I am« als Premiere. Zu sehen war in ihrer Arbeit, wie sich das Ich selbstständig macht. Zunächst waren ihre Bewegungen in Einklang, wiegten sich die zwei dargestellten Wesen dabei in Sicherheit. Aber nach und nach gewannen sie an Eigenständigkeit, bis zur Fähigkeit, jeweils einen eigenen Weg zu gehen.

Das war ästhetisch gemacht, brauchte fast keine Musik. Eine Zufallszugabe bot am Ende, als die Körper entgegengesetzten Zielen zustrebten, die natürliche Kulisse. Das Licht im Theatersaal erlosch. Durch die beschlagenen Fenster konnte man aus dem Dunkel heraus einige erleuchtete Fenster gegenüber und karge Außenbeleuchtung sehen, die sich – so eine Performance ist ja offen nach allen Seiten – entschlossen hatten, hier einen Moment mitzuspielen. Sie übernahmen die Rolle der Fremde.

Im März geht es weiter mit der Reihe »Trying to be real«. Dazu bittet der Theaterdiscounter das Fringe Ensemble aus Bonn in die Klosterstraße. Es zeigt »Drei Schwestern – ein Solo« nach Tschechow und will das Drama ins Heute bringen (16.-18.3.). Eine Installation mit Text ist »Woyzickine« mit der Aktionskünstlerin Anne Tismer. Sie setzt damit ihre Serie der »angeeigneten Männerfiguren« fort und untersucht, auf welche Schweinereien sie als »Woyzickine« wohl stößt (19., 20.3.).

Auf »Abwege von der ebenen Straße des Appetits« führt Vanessa Stern. Die »theatrale Ausschüttung ohne Gewinn« ist Teil des Forschungsprojekts »Heulen kann jede« (Weibliche Komik in der Krise). Und so viel Krise ist sicher, dass die Künstlerin sich damit nun monatlich im Theaterdiscounter zu Wort melden kann (24., 25.3.).

Heike Pelchen beschließt den März mit ihrem zweiteiligen Programm, das sich mit Schaffensprozessen befasst (29., 30.3.). »Folge 1: Eine Miniatur ( – wie alles anfing)«; »Folge 2: Ein Größenwahn ( – was seither geschah)«.

Was am 1. März im Theaterdiscounter geschah, gehörte zur Reihe »Kaltlesungen am DramaTisch« und war nicht weniger imposant. Am ersten Dienstag im Monat stellt hier jeweils ein Autor einen Text vor. Schauspieler lesen ihn szenisch. Unvorbereitet. Kalt.

Theaterdiscounter, Klosterstr. 44, Mitte, Tel.: 28 09 30 62, www.theaterdiscounter.de. Beginn immer 20 Uhr

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