Werbung

Die späte Wahrheit über die Damen der Schöpfung

Das biologisch stärkere Geschlecht: Die Dominanz des weiblichen Prinzips in der Natur

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

In der Bibel steht geschrieben: Zuerst erschuf Gott Adam, den Mann. Weil der aber nicht allein bleiben sollte, versetzte Gott ihn in einen tiefen Schlaf, stahl ihm eine Rippe und formte daraus Eva, die Frau. Über viele Jahrhunderte diente dieser Teil der biblischen Schöpfungsgeschichte – ob wörtlich oder gleichnishaft verstanden – in der christlichen Welt als Rechtfertigung für die Herrschaft der Männer über die vermeintlich schwachen und schutzbedürftigen Frauen. Anknüpfend daran erhoben namhafte Theologen und Philosophen das männliche Prinzip sogar zur einzig schöpferischen Kraft im Universum, während sie das Weibliche vor allem mit Passivität und Duldsamkeit in Verbindung brachten.

Dank der modernen biologischen Forschung wissen wir es heute besser: Die Geschichte von Adam und Eva, wie die Bibel sie erzählt, beruht gewissermaßen auf einer Verkehrung der tatsächlichen Geschehnisse. Denn nicht die Frau, sondern der Mann war eine Verlegenheitslösung der Natur – und zwar eine relativ späte.

Wie es dazu kam? Blicken wir zurück: Am Anfang pflanzte sich alles Leben auf der Erde ungeschlechtlich fort. Das erforderte wenig Aufwand und ging schnell. Bakterien etwa teilen sich zu gegebener Zeit einfach in der Mitte, und fertig sind zwei neue Geschöpfe. Diese Form der Vermehrung hat jedoch den Nachteil, dass sie nur genetisch identische Nachkommen (Klone) erzeugt, denen bei gravierenden Umweltveränderungen das rasche Aussterben droht. Und so erfand die Natur vor rund 600 Millionen Jahren die Sexualität und damit Weibchen und Männchen, die seither im Dienste der Fortpflanzung ihre Erbanlagen kreuzen. Dadurch entstehen genetisch differente Nachkommen, die ökologisch robuster sind als Klone. Bei der Befruchtung verschmilzt die Eizelle, deren Geschlechtschromosom immer in der sogenannten X-Form vorliegt, mit einem Spermium, dessen Geschlechtschromosom entweder X- oder Y-Form hat.

Kommt es zur Kombination XX, wird ein Mädchen, bei der Kombination XY ein Junge gezeugt. Allerdings findet die Geschlechtsprägung nicht sofort statt. Einige Wochen nach der Zeugung ist zwischen einem XX- und einem XY-Embryo noch kein Unterschied zu erkennen. Beide besitzen in gleicher Weise männliche und weibliche Anlagen. Erst ab dem dritten Schwangerschaftsmonat sorgt ein auf dem kleineren Y-Chromosom liegendes Gen dafür, dass der Embryo Hoden ausbildet. Diese wiederum produzieren Hormone, welche für die Entwicklung eines männlichen Körpers unverzichtbar sind.

Um einen weiblichen Körper zu formen, bedarf es dagegen keiner »antreibenden« Hormone. Er entsteht gleichsam von selbst. »Unser inneres Entwicklungsprogramm ist auf die Ausbildung eines weiblichen Körpers gerichtet«, erklärt der US-Biologe Simon LeVay und spöttelt mit Blick auf die Genesis, dass nicht Eva ein lädierter Adam, sondern vielmehr Adam eine lädierte Eva sei.

Obwohl ein Mann etwa gleich viele X- und Y-Spermien ins Rennen um die Befruchtung der Eizelle schickt, gerät der weibliche Nachwuchs zunächst ins Hintertreffen. Einer neuen Studie zufolge entfallen auf 100 XX-Embryonen mehr als 120 XY-Embryonen. Aber dieser quantitative Vorteil währt nicht lange, denn männliche Embryonen sind im Mutterleib viel stärker gefährdet als weibliche. Bei der Geburt liegt das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen nur noch bei 106 zu 100. Und auch im Säuglingsalter erweisen sich die Jungen als zerbrechlicher: Im ersten Halbjahr sterben 20 Prozent mehr männliche als weibliche Babys. Dieser Trend setzt sich weiter fort, so dass mit 80 Jahren auf zehn Frauen, die noch leben, lediglich fünf Männer kommen.

Es besteht sonach kein Zweifel: Das biologisch stärkere Geschlecht ist das weibliche. In Deutschland werden Frauen im Schnitt fünf Jahre älter als Männer. Zwar sind die Ursachen dafür längst nicht alle bekannt. Gleichwohl deutet vieles darauf hin, dass Frauen über das bessere Immunsystem verfügen. Außerdem achten sie mehr auf ihre Gesundheit und suchen bei Beschwerden rascher einen Arzt auf. Und noch etwas führen Wissenschaftler ins Feld: Da Frauen namentlich während der Schwangerschaft einen harten körperlichen Belastungstest durchlaufen, werden sie vermutlich auch später mit Stress und Krankheiten besser fertig als die eher wehleidigen »Herren der Schöpfung«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!