Eine fragwürdige Freiheit

Vor 150 Jahren: Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland

  • Von Karl-Heinz Gräfe
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Welthistorisch betrachtet lagen die beiden Ereignisse, die die Entwicklung zweier sehr verschiedener Großmächte maßgeblich beeinflussen sollten, nahe beieinander: Russlands autokratischer Herrscher Alexander II (1855-1881) hob am 17. März 1861 die seit Jahrhunderten bestehende Leibeigenschaft auf; zwei Jahre später sprach US-Präsident Abraham Lincoln alle Sklaven seines Landes frei. Gibt es zwischen den beiden scheinbar unterschiedlichen politischen Akten einen inneren epochalen Zusammenhang?

Die revolutionären Stürme seit der Großen Französischen Revolution 1789 machten den Übergang von der feudalen zur kapitalistischen Produktionsweise in West- und Mitteleuropa unwiderruflich. Russland, der an Territorium und Bevölkerung größte Staat des Kontinents, war noch immer ein Agrarland. Nur fünf seiner 74 Millionen Einwohner lebten in Städten, in Großbritannien hingegen die Hälfte der Bevölkerung. Russland blieb weiterhin feudale Trutzburg un...


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