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Nord-Amazonas mit Ferkelfarbrik

Umkämpfte Riesenstallung Alt Tellin wird ab April gebaut – neben einem neuen Naturpark

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.

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In »Naturparks« sollen sich Nutzung und Schutz die Waage halten – doch im Fall des neu deklarierten Naturparks Peenetal sehen Naturschützer diese Harmonie von Anfang an gefährdet. Durch einen nahegelegenen Mega-Ferkelstall.

Auf 40 000 Hektar soll das Tal der Peene in den Kreisen Demmin und Ostvorpommern geschützt werden. Das gab jüngst Nordost-Umweltminister Till Backhaus (SPD) bekannt. Der Flusslauf soll »Naturpark« werden – bereits der achte in Mecklenburg-Vorpommern.

Bisher sind im Westen des Landes die Lauenburgischen Seen und das Mecklenburgische Elbetal, in der Mitte das Sternberger Seenland, die Nossenthiner Heide, die Mecklenburgische Schweiz und der Kummerower See geschützt und im Osten Usedom sowie die Küste des Stettiner Haffs. Mit dem neuen Park entsteht eine zusammenhängende Naturparkfläche vom Kummerower See bis Usedom. Insgesamt rund 400 000 Hektar sind nunmehr im Land als Naturparks ausgewiesen.

Seit 1992 sind 25 Millionen Euro in die Renaturierung der Flusslandschaft mit ihren unverbauten Ufern geflossen. Vor einem Jahr hatte ein »Aufbaustab« mit seiner Arbeit begonnen. Die jährlichen Sach- und Unterhaltungskosten belaufen sich auf rund 200 000 Euro jährlich, 120 000 Euro von Kreisen und Kommunen, 93 000 vom Land. Sechs Wächter sollen angestellt werden, heißt es in Schwerin

Schutz durch Nutzung

Naturparks sind keine Reservate. Ihnen liegt die Idee vom »Schutz durch Nutzung« zugrunde – nachhaltige Landwirtschaft soll Kulturlandschaften erhalten und sich mit einer touristischen Nutzung verbinden. Daher ist Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung essentiell. Doch daran schien es lange zu mangeln an der Peene, die Naturschützer wegen ihres Artenreichtums auch den »Amazonas des Nordens« nennen. Im vergangenen Jahr hatte es Widerstand der Landwirtschaft gegen eine Beteiligung des Naturschutzbundes NABU gegeben. Nun wollen sich die Bauern lieber selbst an den Kosten beteiligen – mit einem Euro pro Hektar und Jahr.

Die Landräte von Demmin und Ostvorpommern, Siegfried Koniecny und Barbara Syrbe (beide LINKE), begrüßen den Naturpark, auch der Demminer Linkspartei-Landtags-Abgeordnete Peter Ritter findet ihn »sehr gut«. »Sehr schlecht« nennt Ritter dagegen einen anderen Beschluss, der dieser Tage gefallen ist: Ab April soll die heftig umstrittene Ferkelfabrik in Alt Tellin tatsächlich errichtet werden – eine Anlage für jährlich eine Viertelmillion Jungtiere.

Alt Tellin liegt nicht direkt im Peenetal, sondern im nahen Tollensetal flussabwärts von Neubrandenburg. Dennoch fragt sich nicht nur Ritter, »wie sich das mit dem Naturpark vertragen soll« – etwa bei Grundwasser- und Luftbelastungen.

Man rechne mit eineinhalb Jahren Bauzeit, heißt es indes ungerührt bei der Schweinezucht Alt Tellin GmbH, die für den niederländischen Investor Adrian Straathoff die im Oktober genehmigten sechs Ställe errichten will. Ein Raumordnungsverfahren, das die Auswirkungen der Anlage mit den Belangen umliegender Unternehmungen aus dem Touristikbereich abgewogen hätte, ist in Mecklenburg-Vorpommern auch sochen Größenordnungen nicht zwingend.

Streit in Schwerin

Dass solche Verfahren indes nach dem Landesplanungsgesetz nicht möglich seien und dies auf die rot-rote Regierung zurückginge, wie Minister Backhaus jüngst im Zusammenhang mit Geflügelmastanlagen erklärte, bringt den Schweriner Linkspartei-Fraktionschef Helmut Holter auf die Palme: »Das ist schlicht die Unwahrheit!«

Umweltschützer und Bürgerinitiativen hatten zuletzt bei den Behörden gegen die Abbrucharbeiten an dem am Standort befindlichen alten Stallanlagen protestiert, die Ende Februar begonnen worden waren. Dort hatten sich Fledermäuse angesiedelt, der Abriss ist laut BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag illegal – und sei in der Genehmigung für die Anlage auch ausgeschlossen worden. Die Betreiberfirma ist dennoch sicher, ohne Verzögerungen mit dem Bau beginnen zu können.

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