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Fukushima wieder mit Strom versorgt

Kühlsystem in bedrohtem Reaktor 2 des havarierten japanischen Atomkraftwerk aber noch nicht funktionsfähig

Kamaishi, 20. März (AFP) - Der besonders bedrohte Reaktor 2 im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 ist wieder mit dem Stromnetz verbunden worden. Nach Angaben des Betreiberunternehmens Tepco vom Sonntag konnten die Kühlsysteme jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Während die Lage in den Notunterkünften des Landes angespannt blieb, sagte die Regierung nach dem Fund verstrahlter Lebensmittel stärkere Kontrollen zu.

Ein Tepco-Sprecher sagte, nach dem Anschluss des Reaktors 2 an das Stromnetz müsse aus Sicherheitsgründen zunächst geprüft werden, inwiefern das Kühlsystem und andere Anlagen funktionsfähig seien. Wann die Tests abgeschlossen werden könnten, sei unklar.

Tepco hatte am Freitag eine neue Stromleitung zu dem Meiler verlegt, um zunächst den Reaktor 2 und später auch den Reaktor 1 wieder an das Stromnetz anschließen zu können. Durch das Erdbeben und den Tsunami war dort die Notstromversorgung zerstört worden. Regierungssprecher Yukio Edano kündigte an, dass das Kraftwerk nie wieder in den regulären Betrieb gehen solle.

Indes setzten Ingenieure, Soldaten und Feuerwehrleute ihre Bemühungen fort, die vier überhitzten Reaktorblöcke 1 bis 4 notdürftig zu kühlen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sollen die Reaktoren fortan »rund um die Uhr« besprüht werden. Am Reaktor 3 wurden bei einem neuen Kühleinsatz Spezialfahrzeuge der Feuerwehr in Tokio eingesetzt. Die Armee kühlte Reaktor 4 mit Hochdruck-Wasserschläuchen. Erschwert wurde der Einsatz durch die hohe Strahlung, die einen Aufenthalt bei den Reaktoren nur kurzzeitig erlaubte. Am Sonntag wollte die Atomaufsicht erneut den Druck in den Reaktoren prüfen.

In den Präfekturen Fukushima und Ibaraki nahe der Atomanlage wurden nach Edanos Angaben in Milch und Spinat erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen. Gesundheitsschädlich seien sie aber nicht. Nach Regierungsangaben wurde im Trinkwasser von Tokio und anderen Städten eine ungewöhnlich hohe, wenn auch unbedenkliche Konzentration von radioaktivem Jod gefunden. In Taiwan entdeckten die Behörden radioaktiv belastete Bohnen aus dem Süden Japans. Die japanische Regierung wies die örtlichen Behörden an, Nahrungsmittel verstärkt auf Strahlung zu prüfen.

Für die rund 400.000 Menschen, die seit dem Unglück in der vorvergangenen Woche in Notunterkünften leben, verbesserte sich die Lage durch leicht steigende Temperaturen nach einer Kältewelle etwas. In den besonders stark betroffenen Präfekturen Miyagi und Iwate wurden tagsüber zehn Grad Celsius gemessen, doch nachts blieb es kalt. Zudem waren für Sonntag erneut Regen und Schnee angesagt. Angesichts der Sorge vor radioaktivem Niederschlag in der Bevölkerung sagte Vizekabinettschef Tetsuro Fukuyama, Regen und Schnee bedeuteten »keinerlei Schaden für die Gesundheit«.

Neun Tage nach dem Erdbeben lag die Zahl der Toten nach Angaben der Polizei bei 8133, 12.272 Menschen wurden noch vermisst. Die Chance, noch Überlebende zu finden, galt als sehr gering. Dennoch konnten Retter am Sonntag zwei Menschen lebend bergen. Eine 80 Jahre alte Frau und ein 16-Jähriger seien in der zerstörten Stadt Ishinomaki aus Trümmern gerettet worden, teilte die Polizei mit. Am Samstag erschütterte Behördenangaben zufolge ein Nachbeben der Stärke 6,1 die Region Ibaraki südlich von Fukushima. Schäden wurden nicht gemeldet.

Weitere Informationen in der ND-Ausgabe vom 21.03.2011

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